Programm

METROPOLIS

São Paulo – Istanbul – Taipeh – Tokio sind einige der Städte, durch die uns die Filme von diesem Monat führen. Massiv und monumental sind sie fast die Hauptdarsteller der Geschichten, welche sich in den Strassenschluchten und um die Hochhäuser der Metropolen herum entspinnen.

So zum Beispiel in Fritz Lang’s «Metropolis», das die Stadt als menschliche Maschinerie, als organisches Gefüge inszeniert, das die Menschen zu dem macht, was sie sind: Herrscher, welche von den Höhen der Wolkenkratzer auf ihr Reich herabschauen, oder Diener, welche tief unter der Erde für den Fortlauf der Maschinen-Stadt schuften.

Ebenso am Rande der Gesellschaft stehen die Protagonisten von «Pixote», welchen wir durch die Strassen von São Paulo und Rio de Janeiro folgen. In den Armenvierteln der Grossstädte versuchen sie, sich mit Zuhälterei und gelegentlichen Überfallen über Wasser zu halten. Trotzdem spitzt sich ihre Lage immer weiter zu…

Wenig um gesellschaftliche Verhältnisse wiederum scheren sich die Protagonisten aus «Kedi». Den Routen folgend, welche die Istanbuler Strassenkatzen im Film durch die Stadt ziehen, erkunden wir nach und nach die Metropole am Bosporus. Anhand der Bewohner:innen, die sie auf dem Weg treffen, zeichnet sich ein immer besseres Bild der Stadt…

«Yiyi» und «Tokyo!» wiederum führen uns in zwei Metropolen in Fernost. Während wir im Familiendrama «Yiyi» das Taipeh der frühen 2000er erkunden, erwartet uns mit «Tokyo!» ein etwas absurdes Porträt der japanischen Hauptstadt, in dem man nie genau weiss, was als Nächstes passiert…

Programmation: Lucas / Urs

So 02. Juni 2024 • 19:30 Uhr

Metropolis

Wenig andere Filme aus den Zwanzigern hatten einen so grossen stilbildenden Einfluss wie Fritz Lang’s Epos «Metropolis». Das titelgebende Metropolis ist dabei eine dystopische Sci-Fi-Version einer Grossstadt, in der Arbeiter- und Oberklasse zusammen und doch getrennt die Bestandteile eines riesigen urbanen Organismus bilden. Lang’s düstere Vision einer Zweiklassengesellschaft gibt auch heute noch Anlass zu vielfältigen und häufig gegenläufigen Interpretationen: während einige in seinem Werk eine marxistisch angehauchte Kritik an der Ausbeutung der Arbeiterklasse sehen, erkennen andere in den strikt choreografierten Aufläufen der Arbeitermassen eine faschistoid-nationalsozialistische Ästhetik. Die Stadt wird inszeniert als eine vom Menschen am Laufen gehaltene Maschine, welche den Menschen im gleichen Masse formt, wie sie von ihm gemacht ist.

Deutschland 1927
153 Min, ov/de, digital
Regie: Fritz Lang
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So 09. Juni 2024 • 19:30 Uhr

Pixote

Die Proto-Version von «City of God», mit grandiosen Laiendarstellern als Strassenkinder im Überlebenskampf in São Paulo.

Pixote flüchtet aus der Besserungsanstalt zurück auf die Strasse und findet mit seiner Gang eine Art Ersatz-Familie bei der Prostituierten Sueli. Gemeinsam rauben sie ihre Freier aus, doch allen Beteiligten ist klar, dass die Idylle nicht ewig währen kann.

Selten gibt es Filme, bei denen man jede Szene mit «Wow, das ist schnell eskaliert» kommentieren möchte. Pixote reisst mit, fällt nie komplett ins Melodrama, und bietet ein humanistisches Porträt einer Metropole und ihrer verwundbarsten Unterschicht.

Brasilien 1980
128 min Min, ov/de, digital
Regie: Héctor Babenco
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So 16. Juni 2024 • 19:30 Uhr

Kedi - Von Katzen und Menschen

Ein Portrait von Istanbul und seiner Bewohner:innen aus dem Blickwinkel von sieben Strassenkatzen.

Tausende von Katzen streifen täglich durch die Strassen von Istanbul. Sie gehören niemandem und sind doch ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Frei, unabhängig und stolz leben sie seit vielen Jahren inmitten der Menschen, schenken ihnen Ruhe und Freude, aber lassen sich nie besitzen.

Türkei / USA 2016
79 Min, ov/de, digital
Regie: Ceyda Torun
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So 23. Juni 2024 • 19:30 Uhr

Yi Yi

Yang’s Opus entdeckt essenziell Menschliches im Alltag einer Familie in Taipeh.

«Den Begriff Meisterwerk verwende ich selten, aber im Fall von Yiyi drängt er sich mir auf. Selten hat ein Film das Leben in seiner Zeit derart berührend festgehalten, ohne sich anzubiedern, rar sind die Autorinnen und Autoren, die so präzis erzählen können, und fast schon wunderbar ist die Erfahrung, nach drei ebenso reichen wie kurzen Kinostunden mit dem Wunsch nach Hause zu gehen, noch mehr von der Familie zu erfahren. (…) Das Epische schafft Edward Yang nicht durchs Ausschweifen, er ist im Gegenteil ein Meister des Auslassens, der sehr genau weiss, was er vorgeben muss, damit sich der Zuschauer, die Zuschauerin das gesamte Bild ausmalen kann. Ja, er spielt am Ende damit, dass er unsere Sinne geschärft hat auf das Wesentliche des vermeintlich Unwesentlichen.» (Walter Ruggle, trigon-film)

Taiwan / Japan 2000
173 Min, ov/de, digital
Regie: Edward Yang
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So 30. Juni 2024 • 19:30 Uhr

Tokyo!

«Tokyo!» erzählt drei fantastisch-absurde Geschichten, welche sich in der namensgebenden japanischen Hauptstadt abspielen.

Michel Gondry’s «Interior Design» erzählt von Expats, welche gerade in Tokio angekommen sind und versuchen, sich im Grossstadtgewirr zurechtzufinden. Dabei wird ihnen bewusst, dass es in einer solch riesigen Stadt nicht so einfach ist, seinen Platz zu finden.

Das Ungetüm aus Leos Carax‘ «Merde» ist da schon einen Schritt weiter: es versucht erst gar nicht, sich in Zurückhaltung zu üben und sich so in die japanische Grossstadtgesellschaft zu integrieren. Stattdessen wirft es mit Fäkalien um sich und verhält sich auch sonst nicht wenig anzüglich. Dann wird dem Anarcho-Monster jedoch der Prozess gemacht…

Bong Joon-ho’s ruhiges Grossstadtdrama «Shaking Tokyo» wiederum handelt von einem Hikkimori, der nach Jahren der Isolation im wahrsten Sinne des Wortes aufgerüttelt wird und versucht, wieder in der Welt und im Stadtleben Fuss zu fassen.

Frankreich / Japan / Südkorea / Deutschland 2008
112 min Min, ov/de, digital
Regie: Michel Gondry, Leos Carax, Bong Joon-ho
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