Programm

Wir, die Filmfrauen

In Hollywood ist die Diskussion über eine höhere Frauenquote und ebensolche Wertschätzung im Film so aktuell wie nie. Namhafte US-Schauspielerinnen wie Angelina Jolie oder Meryl Streep liegen, trotz ihres Renommees, mit ihren Gagen weit unter denen ihrer männlichen Kollegen. Kathryn Bigelow gewann 2009 als erste Frau einen Oscar für die Beste Regie. Darstellerinnen wie Geena Davis oder Jessica Lawrence machen ihrem Ärger darüber öffentlich Luft. Schwarze Regisseurinnen wie Ava DuVernay, die sich doppelt diskriminiert fühlen, thematisieren diese Emanzipation gleichermassen in ihren Filmen («Selma»). Die Oscar-Academy hat die Kritik ernst genommen und im letzten Jahr 46 Prozent mehr Frauen in ihre Reihen aufgenommen, darunter auch die fünffache Gewinnerin des Schweizer Filmpreises Ursula Meier («Home»). Trotzdem ist noch viel zu tun. Auch in Europa werden Stimmen laut, die sich für die Unterstützung von Filmfrauen stark machen. So fordert Regisseurin Maren Ade («Toni Erdmann»), dass mehr als die Hälfte an öffentlichen Geldern an Frauen vergeben werden sollen. Wir zeigen in diesem Monat vier Filme von Regisseurinnen, mitunter auch mit einem beeindruckenden Aufgebot an talentierten Schauspielerinnen in der Blüte ihrer Jugend («The Virgin Suicides»), die wichtig, berauschend schön, skurril, klug, überraschend, bunt, witzig oder berührend sind. Doch vor allem sind sie eines: überzeugend. Also gebt den Filmfrauen, was ihnen zusteht!

Programmation: Ivana Kvesic, Sarah Stutte

So 05. November 2017 • 19:30 Uhr

Selma

Für seinen unermüdlichen gewaltfreien Gleichberechtigungskampf wird Martin Luther King 1964 der Friedensnobelpreis verliehen. Im Süden des Landes sorgen die Rassenunruhen aber weiterhin für politischen Zündstoff. Auch in Selma, Alabama wird die afroamerikanische Bevölkerung mit allen rechtlichen und unrechtlichen Mitteln daran gehindert, ihr Wahlrecht auszuüben. King reist nach Selma, um die örtlichen Aktivisten bei einem mehrtägigen Protestmarsch nach Montgomery zu unterstützen. Der erste Marsch wird von der Polizei blutig niedergeschlagen, auch der zweite erreicht nicht die Bundeshauptstadt. Erst der dritte Anlauf gelingt. Ava DuVernay schafft es, eine historische Begebenheit durch zahlreiche private Momente spürbar zu machen. Dass dieser kluge und wichtige Film bei den Oscars 2015 in den Hauptkategorien fast gänzlich übergangen wurde, löste eine grundsätzliche Debatte über die Berücksichtigung afroamerikanischer Werke in Hollywood aus.

USA 2014
127 Min, en/de, digital
Regie: Ava DuVernay
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So 12. November 2017 • 19:30 Uhr

Home

Eine fünfköpfige Familie hat sich am Rand eines unbenutzten Autobahnabschnitts niedergelassen. Die Tochter sonnt sich auf dem Asphalt, der Sohn kurvt mit dem Velo auf der leeren Strasse herum. Doch plötzlich tauchen Bauarbeiter auf – der Streckenabschnitt soll eröffnet werden. Bald darauf donnert der laute Verkehr über die vierspurige Fahrbahn. Der Vater installiert Schallmauern vor den Fenstern, die Tochter sonnt sich nun auf dem Rasenstück neben der Begrenzung und zeigt den LKW-Fahrern den Mittelfinger. Man gibt sich rebellisch. Doch zur Lärmbelastung kommt das Problem, dass alle Geschäfte sowie die Schule auf der anderen Seite der Autobahn liegen – die einstige Idylle, die man so schätzte, treibt die Familie immer mehr in die Isolation. Das Kinodebüt von Ursula Meier gewann 2009 den Schweizer Filmpreis. Ebenfalls ausgezeichnet wurde damals das Drehbuch und Kacey Mottet Klein als Bester Nachwuchsdarsteller.

Schweiz 2008
95 Min, fr/de, digital
Regie: Ursula Meier
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So 19. November 2017 • 19:30 Uhr

The Virgin Suicides

Fünf Schwestern wachsen streng behütet in einem kleinen Städtchen auf. Als die erste Tochter einen Selbstmordversuch unternimmt und dieser scheitert, versuchen die Eltern, auf den Rat des Psychologen hörend, den Töchtern mehr Freiraum zu geben. Die Töchter sollen so einen «normalen» Umgang mit männlichen Altersgenossen lernen. Als sich die erste tatsächlich umbringt, werden die Regeln im Haus wieder strenger. Noch einmal dürfen die Töchter auf einen Ball. Die älteste der Töchter, Lux, wird zusammen mit dem Mädchenschwarm zu Homecoming-Queen und King gekürt. Beide hauen in dieser Nacht ab und Lux wird entjungfert. Als sie nach Hause kommt, wird ein striktes Hausverbot über alle Mädchen verhängt. Die Eltern verbieten den Töchtern auch die Schule. Die Rebellion der Töchter startet und eines Tages werden alle Töchter tot aufgefunden. Was ist geschehen? Wie schnell wird solch ein Drama vergessen?

USA 1999
97 Min, en/de, digital
Regie: Sofia Coppola
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So 26. November 2017 • 19:30 Uhr

Toni Erdmann

Eine Vater-Tochter-Beziehung, die praktisch nicht mehr vorhanden ist. Die Tochter lebt in Bukarest als Unternehmensberaterin und der Vater kommt auf Besuch. Das unangenehme Treffen und die dazugehörigen Momente lösen sich auf, als der Vater wieder zurück nach Deutschland geht. Plötzlich taucht der Vater mit Perücke und falschen Zähnen wieder auf und gibt sich als Berater, Coach oder als Tennislehrer aus und nennt sich fortan Toni Erdmann. Peinliche Situationen sind vorprogrammiert und gleichzeitig kommen sich Vater und Tochter in winzig kleinen Schritten wieder näher. Der Film erhielt zahlreiche Preise, unter anderem eine Oscarnominierung.

Deutschland/Österreich 2016
162 Min, de/en, digital
Regie: Maren Ade
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