30 Jahre Kino Nische
30 Jahre Kino Nische. Das sind 30 Jahre Flimmern – und dieser ganz besondere Moment, wenn ein Saal gleichzeitig lacht, staunt oder still wird.
Im April feiern wir unser Jubiläum mit einer kleinen Auswahl an Filmen, die in den letzten 30 Jahren teils mehrmals auf unserer Leinwand zu sehen waren und das widerspiegeln, wofür die Nische seit 30 Jahren steht: für grossartiges Kino. Die Nische bietet unabhängigen Filmen abseits des Mainstreams eine Heimat. Dazu gehören Filme, die Missstände auf der Welt aufzeigen, den Unterdrückten eine Stimme geben, Filme aus der Schweiz sowie Klassiker, Kultfilme, Lieblingsfilme und Wiederentdeckungen.
Was heute selbstverständlich wirkt, war einmal pure Leidenschaft: 1996 wurde das Kulturzentrum Gaswerk in Winterthur gegründet – und von Anfang an mit dabei: das Kino Nische. Zuerst ratterten 16mm-Rollen durch den Projektor, später – 1998 – kam der 35mm-Projektor dazu. Und heute? Heute läuft Kino bei uns fast nur noch digital – aber die Idee ist dieselbe geblieben: gemeinsam schauen, gemeinsam erleben, gemeinsam darüber reden.
Und weil Kino Nische nicht nur vier Wände ist, gehört auch das Bäumli Openair zu unserer Geschichte: jeden Sommer draussen unter freiem Himmel, wenn die Stadt ein bisschen langsamer wird und der Filmabend plötzlich nach Ferien schmeckt.
Darum sagen wir im April auch ganz bewusst: Danke. Danke an alle Besucher:innen, an Mitglieder, freiwillige Helfer:innen, Freundinnen und Freunde und Familie – an alle, die mithelfen, mittragen, mitlachen und mitdenken.
Im April starten wir unser 30-Jahre-Jubiläum – mit guten Filmen, Erinnerungen und dem Blick nach vorne. Kommt vorbei und feiert jeden Sonntag 30 Jahre Kino Nische mit uns.
Programmation: Kino Nische
So 05. April 2026 • 19:30 Uhr
Domésticas, o filme
In Brasilien gibt es so etwas wie ein unsichtbares zweites Land, jenes der Domésticas, der Hausangestellten. Sie heissen Cida, Roxanne, Quitéria oder Raimunda und sind tagaus tagein damit beschäftigt, anderen den Haushalt zu besorgen und das Haus sauber zu halten. Alle träumen sie von einer glücklichen Heirat, einem besseren Mann oder einer Karriere als Mannequin. «Domésticas – O Filme» ist nun nicht etwa ein dokumentarischer Report über Hausangestellte, es ist vielmehr ein schmissiger Spielfilm voller Witz und Humor, der ganz einfach Menschen hinter den Kulissen einer lateinamerikanischen Grossstadt zu Hauptfiguren macht. Es ist eine Komödie mit hervorragenden Schauspieler:innen, die so echt wirken, dass man mitunter das Gefühl bekommt, sie alle seien längst wieder in den Küchen am Putzen. Es ist auch ein Film voll kleiner Hoffnungen aus dem Alltag.
Die Nische hat den Film ganze dreimal gezeigt: im Oktober 2007 im Brasilienprogramm sowie im März 2014 im Programm «Unsichtbares sichtbar machen» und im Januar 2020 im «Favelas»-Programm.
88 Min, ov/f/d, 35mm
Regie: Fernando Meirelles & Nando Olival
So 12. April 2026 • 15:00 Uhr
Snow White (Strick-Kino)
Die Partyqueen Nico ist ein Luxusgirl aus reichem Hause an der Zürcher Goldküste. Für gewöhnlich zieht Nico mit ihrer Freundin Wanda durch das noble Zürcher Nachtleben und feiert bis zum Abwinken. Bis sie eines Abends in ihrer Stammdisco auf Paco trifft, einen coolen Rapper aus der Arbeiterklasse, der es ernst meint mit seinen sozialkritischen Texten. Die beiden werden ein Liebespaar. Nico ändert ihren Lebensstil radikal. Doch dann geht Paco mit seiner Band auf Tournee und Nico beginnt wieder Gefallen an ihrem alten Leben zu finden – mit dramatischen Folgen.
Gezeigt im Kino Nische im Rahmen des «CH05»-Programms im Januar 2006.
113 Min, ch-d(d, digital
Regie: Samir
So 12. April 2026 • 19:30 Uhr
Adams Apples
Der Landpfarrer und Gutmensch Ivan hat es sich zur Aufgabe gemacht, vom Wege abgekommene Schäfchen zurück auf den Pfad der Tugend zu führen. Doch Neuzugang Adam, ein gewalttätiger Neo-Nazi, hält sich nicht an die Spielregeln. Regisseur Jensen verstrickt seine Protagonisten in einen ebenso absurden wie komischen Kampf zwischen Gut und Böse. Eine bissige Komödie mit Tiefgang über menschliche Schwächen, göttliche Willkür und die Frage, wie viel Güte ein Mensch ertragen kann.
Gezeigt im September 2007 im Programm «Eindringlinge», im April 2010 im Programm «Schwarzer Humor» und am Openair 2020.
93 Min, Ov/d/f , digital
Regie: Anders Thomas Jensen
So 19. April 2026 • 19:30 Uhr
WWW - What a Wonderful World
«Casablanca» ist nicht nur ein legendärer Film aus Hollywood, es ist auch eine real existierende Stadt voller Kontraste, modern und archaisch in einem. Hier lebt Kamel als Auftragskiller in einer Art Einzimmer-Penthouse. Die Aufträge erhält er übers Internet. Cool führt er sie aus. Nach jedem ausgeführten Auftrag ruft er Souad an, eine Gelegenheitsprostituierte, mit der er anschliessend ins Bett steigt. Wirklich den Kopf verdreht ihm aber Kenza, die an einer der am stärksten frequentierten Kreuzungen in Casablanca den Verkehr regelt oder besser: dirigiert –so, als würde sie ein Symphonieorchester leiten. Zunächst kennt Kamel nur Kenzas Stimme, aber er wird nicht locker lassen, bis er auch den Rest von ihrgefunden hat. Der professionelle Hacker Hicham, der davon träumt, sich nach Europa abzusetzen, mischt sich übers Internet in die Kontakte von Kamel ein – und bereitet diesem damit Probleme. «WWW-What a Wonderful World» ist durch und durch ein moderner Film, burlesk im Spiel, schräg in der Bildkomposition, witzig und kühn. Mit Nezha Rahel und Faouzi Bensaïdi, einem grossartigen Liebespaar.
Auch dieser Film wurde mehrfach im Kino Nische gezeigt, u.a. im Programm «Urbane Realitäten» im März 2011 oder im Programm «Auf den Spuren des Cinema Beur» im September 2017.
99 Min, Arabisch, ov/d/f, 35mm
Regie: Faouzi Bensaïdi
So 26. April 2026 • 19:30 Uhr
Signers Koffer
«Es ist wie ein grosses Haus mit einem geheimnisvollen Zimmer, das ich hier die Explosionskammer nennen möchte. Man kann sich mal ein bisschen nähern, man kann mal nahe am Zentrum vorbeigehen, doch ist man im Zentrum, so verbrennt man in der tödlichen Kammer.»
Roman Signer
«Ich zeige bei meiner Arbeit soviel vom Umfeld, bis sich jeder das Zentrum selber vorstellen kann. Ich will nichts beweisen oder belegen, ich will etwas berühren.»
Peter Liechti
«SIGNERS KOFFER» heisst unterwegs sein mit Tisch, Stiefel und Rakete. Auf der Balance zwischen Schalk und Melancholie … Unterwegs mit dem Künstler Roman Signer – ein Versuch zur idealen Geschwindigkeit.
«SIGNERS KOFFER» ist eine Art Road-Movie quer durch Europa. Von den Schweizer Alpen nach Ost-Polen, von Stromboli nach Island. Immer entlang der magisch aufgeladenen Landschaftsrille. Ein breit angelegter Versuch zur idealen Reisegeschwindigkeit. Roman Signer markiert die Stationen mit seinem ganz persönlichen Instrumentarium; bestechend lapidare Eingriffe voll hintergründigem Humor.
«SIGNERS KOFFER» ist auch eine Reise durch seelische Zustände. Ein Seiltanz zwischen Schalk und Melancholie. Gefahr wird zum Stimulans der Sinne – auch die psychische Gefahr. Plötzliche Abstürze und jäh kippende Stimmungen prägen Rhythmus und Klima dieser filmischen Reise.
Gezeigt im Wunschfilmprogramm im Dezember 2002.
85 Min, Dialekt, digital
Regie: Peter Liechti