Berberian Sound Studio

Der britische Soundeffekte-Spezialist Gilderoy (Toby Jones) wird in den 70er-Jahren von einem italienischen, auf Giallos spezialisierten Tonstudio engagiert. Er soll den halbfertigen Film «The Equestrian Vortex» in der Postproduktion akustisch verfeinern. Die Geräusche dafür erzeugt Gilderoy beispielsweise, indem er auf Gemüse einschlägt und einsticht. Langsam taucht er in den sinnlichen Horror des Klangs ein: die Schreie, das Kratzen, das Klirren und Klicken – all das bringt seine inneren Ängste hervor. Zumal die dunklen Gänge und die sich wiederholenden verstörenden Töne das schäbige Gebäude wie eine psychiatrische Klinik wirken lassen. Nach und nach gleitet der einsame und heimwehkranke Gilderoy deshalb immer mehr ins Surreale ab. Er verliert in dem chaotischen Soundpool erst die Kontrolle über seine Arbeit und dann über sich selbst. «Berberian Sound Studio» von Regisseur Peter Strickland ist eine schräge, psychoakustische Attacke auf unsere Hör- und Sehgewohnheiten, die gerade durch das Fehlen von Schockbildern ihre sinistre Überwältigungskraft entfaltet. Die Handlung von «The Equestrian Vortex» wird nie auf der Leinwand gezeigt. Wir sehen nur das zerstückelte Gemüse als komisch-barbarisches Sinnbild der Gewalt. Im Zentrum steht der analoge Ton und Klang sowie die sonst nie sichtbare Ausrüstung zur Erzeugung und Manipulation der Toneffekte. Strickland erfüllt diese vordigitale Welt mit Leidenschaft und Faszination. Der Film, den ein Hauch früher David Lynch-Filme umweht, ist vom Giallo inspiriert und gleichzeitig eine moderne Hommage auf das Genre und die heute vergessene, handwerkliche Kunst der Filmvertonung.

UK 2012
92 Min, en/de, digital
Regie: Peter Strickland