Gagarine
«Gagarine» handelt vom Teenager Youri, welcher in einem Wohnkomplex in der titelgebenden Sozialsiedlung lebt. Die Siedlung soll wegen Baufälligkeit abgerissen werden, doch Youri setzt alles daran, den bevorstehenden Rückbau doch noch abzuwenden. Als sich Diskussionen mit Behördenvertretern als fruchtlos erweisen und Youri seinen Widerstand gegen das Unvermeidliche aufgeben muss, fängt er an, sich immer mehr in Traumwelten zurückzuziehen…
Der Film wurde 2019 kurz vor deren Abriss in der real existierenden Sozialsiedlung Gagarine gedreht. Der Film lässt so Realität und Fiktion verschmelzen; wer hier allerdings ein düsteres Banlieue-Sozialdrama wie «La Haine» oder «Les Misérables» erwartet, könnte überrascht werden: Der Erzählstil von Gagarine ist träumerisch-verspielt, und steht so in starkem Kontrast zur Kulisse der trostlos-grauen Pariser Sozialsiedlung. Die Probleme, von welchen Gagarine erzählt, sind allerdings unmittelbar aus dem Leben gegriffen: Die Bewohnenden von Gagarine sind überwiegend arm und führen kein privilegiertes Leben in dem heruntergekommenen Wohnkomplex. Trotzdem nennen sie diesen Ort ihr Zuhause. Als Beamt:innen der Pariser Baubehörde die bröckelnden Gebäude inspizieren, sagt einer der Bewohner: «Wir sind wütend, doch wir sind glücklich hier». Mit dem Abriss der Siedlung verlieren sie etwas vom Letzten, was sie noch haben.
98 Min, ov/de, digital
Regie: Fanny Liatard, Jérémy Trouilh