Non si sevizia un paperino (Quäle nie ein Kind zum Scherz)

Eine kleine Dorfgemeinschaft im ländlichen Italien der frühen Siebziger ist in Aufruhr. Ein Serienmörder geht um, und er scheint es ausschliesslich auf Kinder abgesehen zu haben. Unter Zugzwang beginnt die Polizei, Verdächtige zu verhaften, muss diese jedoch ohne handfeste Beweise bald wieder laufen lassen. Dem aufgebrachten Mob, der sich nach jeder Verhaftung erneut vor der Wache zusammenrottet, sind Beweise jedoch egal. Er will Blut sehen…Lucio Fulcis etwas uneben erzähltes, aber athmosphärisch doch dichtes Porträt einer Dorfgemeinschaft aus Basilikata arbeitet sich gleich mal durch einige der Chiffren, welche man auch schon aus anderen Gialli zur Genüge kennt: den durchgeknallten Serienkiller, der überaus brutal inszenierte Mord, die Polizei, die konstant im Dunkeln tappt, die Nacktszene, die man problemlos schneiden könnte, ohne dass sie jemand vermissen würde. Doch «Non si sevizia un paperino» weiss durchaus durch sein eigenständiges Setting, interessante Charaktere und die unaufgeregt erzählte Geschichte zu überzeugen. Dass die Motive besagter Charaktere zum Teil nicht ganz schlüssig sind und nicht alle Storytwists perfekt aufgehen: geschenkt! Lucio Fulci, normalerweise nicht für sein subtiles Handwerk bekannt (man bedenke nur, dass Ausweidungen, ausgestochene Augen und abgetrennte Köpfe in seinen Filmen an der Tagesordnung liegen), gelingt hier ein überraschend leiser, unaufgeregter Thriller, bei dem die wenigen Gewaltexzesse ihre Wirkung dafür aber umso heftiger entfalten. Sicherlich eines der ruhigeren Werke des Godfather of Gore, aber deswegen keineswegs langweilig!

IT 1972
105 Min, it/de, digital
Regie: Lucio Fulci