Poor Things

Bella Baxter (Emma Stone) ist das Mündel des verrückten Wissenschaftlers Dr. Godwin Baxter, kurz «Gott» genannt. Dieser hatte die junge Selbstmörderin tot aus der Themse gefischt und an ihrer Leiche herumexperimentiert. Seitdem lebt Bella wieder, aber nun mit dem Gehirn ihres eigenen ungeborenen Kindes, das ihr von «Gott» implantiert wurde. Als ein schurkischer Anwalt die Schöne im Haus des Doktors entdeckt, nimmt er sie kurzerhand mit auf eine gemeinsame Reise. Dort entdeckt Bella erst die körperlichen Sinnesfreuden für sich und emanzipiert sich dann allmählich von den besitzergreifenden Männern um sie herum. Giorgos Lanthimos ist für seine surreal-skurrilen und gleichzeitig gesellschaftskritischen Filme bekannt («The Favourite», 2018). Dabei vermischt er verschiedene Genres zu einem unverkennbar eigenen Stil. Auch der absurd-makabre «Poor Things» – eine feministische Auslegung von Mary Shelleys Frankenstein-Roman – und selbst eine Romanvorlage, reiht sich in diese Linie ein. Visuell ist das Werk ein Höhepunkt des vergangenen Filmjahres. In ungewöhnlicher Steampunk-retrofuturistischer Ästhetik werden die künstlichen Welten detailreich erschaffen. Teilweise in Schwarz-Weiss, dann wieder in Farbe, manchmal durch ein Fischeraugenobjektiv gefilmt. Emma Stone spielt schlicht brillant, doch auch Mark Ruffalo glänzt als schnurrbärtiger Lebemann in dieser kritischen Fabel über die ethischen Grenzen der Wissenschaft, über die Schöpfungsgeschichte und das, was Menschlichkeit ausmacht.

UK 2023
141 Min, en/de, digital
Regie: Giorgos Lanthimos