Stranger Than Paradise
«Stranger Than Paradise» ist filmgewordene Serendipität und gleichzeitig eine Persiflage des amerikanischen Traums: seine Charaktere haben keine Ahnung, wonach sie suchen, und finden dann trotzdem etwas komplett Anderes.
Eva kommt aus Ungarn in die USA, um in New York ein neues Leben zu beginnen, und endet dann als Bedienung in einem Schnellimbiss in Cleveland. Vorerst. Evas Cousin Willie ist schon vor zehn Jahren in die USA ausgewandert und hat es in der Zwischenzeit zu absolut nichts gebracht. Er und sein bester Freund Eddie halten sich mit Betrügereien über Wasser, doch als eine Pokerrunde mit gezinkten Karten aus dem Ruder läuft, entscheiden sie sich, Eva nach Cleveland hinterherzureisen…
Jarmuschs Begeisterung für schräge, merkwürdig liebenswerte Taugenichtse zieht sich durch sein gesamtes Œuvre. Anders als die Charaktere seiner Geschichten weiss er aber ziemlich genau, wo er hinmöchte: dem scheinbar plan- und ziellosen Handeln von Eva, Willie und Eddie folgend, inszeniert er Amerika und seine Verheissungen, den amerikanischen Traum als Fata Morgana: statt Chancen und Wohlstand gibt es bestenfalls einen Aushilfsjob im Imbiss an der Strasse, statt einem Häuschen am Stadtrand ein ungeheiztes Einzimmerapartment im harschen New Yorker Winter. Den drei Überlebenskünstler*innen scheint diese unwirtliche Welt allerdings wenig anzuhaben; unbeirrt gehen sie ihren Weg. Irgendwohin.
89 Min, ov/dt, digital
Regie: Jim Jarmusch