The Zone of Interest

Die deutsche Familie Höss lebt in den 40er-Jahren in dem von den Deutschen besetzten Polen ein privilegiertes Leben. Die fünffache Mutter Hedwig investiert viel Zeit in ihren liebevoll eingerichteten Garten. Sie freut sich über die Unterstützung ihrer unbezahlten Hausangestellten und geniesst idyllische Picknicks am nahen Flussufer. Das alles, weil ihr Mann Rudolf jeden Morgen das Haus verlässt, um gleich um die Ecke seiner Tätigkeit nachzugehen. Er ist Lagerkommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, dessen Mauer an das Grundstück grenzt. Der britische Regisseur Jonathan Glazer hat mit seiner Romanverfilmung etwas geschaffen, was nicht leicht zu verdauen ist. Hier wird Unmenschlichkeit in der Banalität des Alltags verbildlicht. Die Leiden der jüdischen Gefangenen werden nie direkt gezeigt. Doch ihre Knochen liegen auf dem Grund des Flusses, in dem die Familie schwimmen geht und hinter den Mauern sind ihre Schreie zu hören. Alles, was am Schluss von ihnen bleibt – ihre Kleider, ihre Zähne – finden sich später in den Händen der diesen Schicksalen gleichgültig gegenüberstehenden Familie wieder. Wenn Rudolf Höss – der als Kriegsverbrecher 1947 zum Tode verurteilt wurde – in der Abenddämmerung an seiner Dusche im Garten hantiert und im Hintergrund die Verbrennungsöfen auf Hochdruck arbeiten, liegt darin so viel Grausamkeit, dass man sie fast nicht ertragen kann. «The Zone of Interest» ist zudem filmisch interessant, weil Glazer mit minutenlangen Überblendungen die unbequeme Stimmung noch verschärft und am Ende sogar seinen Hauptdarsteller in die dokumentarische Gegenwart blicken lässt.

US/UK/PL 2023
106 Min, de, digital
Regie: Jonathan Glazer