Programm

Der Stand der Bauern (und ihrer Frauen) (Teil 1)

DER BAUERN (und ihrer Frauen) Die rasende Liberalisierung und Globalisierung der Märkte zwingt uns allen, ob wir es wollen oder nicht, ein unerbittliches Leistungsdiktat auf. Die in der Landwirtschaft tätigen Menschen bekommen diesen Druck wohl am direktesten und stärksten zu spüren. Vor 150 Jahren waren in der Schweiz noch zwei Drittel aller Beschäftigten Bäuerinnen und Bauern, heute sind es noch knapp vier Prozent. Trotzdem ist die Landwirtschaft in diesem Land gesellschaftspolitisch enorm bedeutsam und Auseinandersetzungen um Produktionsweisen, um Preise und Verdienste bleiben stets aktuell. Die Diskrepanz zwischen heutiger agrarischer Produktion und dem Bild einer bäuerlichen Welt, das noch in unseren Köpfen steckt, die sprichwörtlich dicken Schädel der BäuerInnen, ihr Widerstand gegen die Konsumgesellschaft und ihr sporadisches Aufbegehren, dies sind Themen, die auch im Schweizer Film gerne behandelt werden. Für zwei Monate sind sie auch Thema im Kino Nische. Wir zeigen Knechte und Mägde die Höfe erben, “Stieregrinde” die sich gegen Kartoffeln und Staatsbeamte wehren, solche die finden es müsse alles anders werden und solche die alles anders machen. Wir sehen und hören StädterInnen, die übers Land nachdenken, sehen Bauern mit dem Berg kämpfen und Bäuerinnen mit dem Brotteig, Westschweizer am Käsekessi und Ostschweizer am Kadaverwolf, und wir hören zwei Monate lang ? im Kino eher eine Seltenheit ? die Menschen in urchigen Dialekten sprechen. Der österreichische Film “Die Siebtelbauern” mag zwischen all den Schweizer Produktionen etwas fehl am Platz erscheinen. Da es sich aber um einen der letztjährigen Lieblingsfilme des Programmierers handelt, und er so schön zum Thema passt, wird auch er gezeigt.

Programmation: Rikky Meier

So 02. April 2000 • 17:00 Uhr

GOSSLIWIL

Fünf Essays über bäuerliche Kultur und bäuerliche Ökonomie, über Arbeit, Besitz und Zeit.

Die Autorin und der Autor nähern sich behutsam dem 160-Seelen-Dorf Gossliwil im solothurnischen Bucheggberg und sichten ohne Romantisierung Spuren einer bäuerlichen Kultur des Überlebens unter modernen Verhältnissen. Dabei wird das Wissen um die zerstörerische Bedrohung der Industrialisierung und Globalisierung für die bäuerliche Welt in die Recherche einbezogen. Eine kluge Analyse der Schweizer Landwirtschaftspolitik, deren klare Struktur nie ins Nostalgische abgleitet. (Zoom)

CH 1985
232 Min, Dialekt/D,
Regie: Hans Stürm, Beatrice Leuthold-Michel
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So 09. April 2000 • 20:15 Uhr

UELI DER KNECHT

Der Knecht Ueli wird vom Bauern Joggeli eingestellt und durch seinen Fleiss macht er sich für diesen schnell unentbehrlich. Bald stellt sich für ihn die Frage nach der richtigen Frau. Das Vreneli tät ihm zwar gut gefallen, aber Elisi, die Tochter vom Joggeli, macht ihm Hoffnung auf den grossen Hof. Das wiederum ruft Johannes, den Bruder vom Elisi, auf den Plan, denn der fürchtet um sein Erbe. Ein herrliche Geschichte, hinreissend gespielt und wunderbar inszeniert. Gezeigt wird die traditionelle Welt der Schweizer Bauern, die es heute kaum noch gibt, die aber unsere Grosseltern noch erlebt haben dürften.

CH 1954
111 Min, Dialekt,
Regie: Franz Schnyder
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So 16. April 2000 • 20:15 Uhr

CHRONIQUE PAYSANNE EN GRUYERE

Ein einfühlsamer und detailgetreuer Bericht über den Jahreskreis einer bäuerlichen, aus drei Generationen bestehenden Grossfamilie aus dem freiburgischen Geyerzerland. Jacqueline Veuve zeigt sie uns auf der Alp, im Haushalt, bei der Metzgete, beim Holzen mit Pferden und beim Festen und entfaltet ein liebe- und respektvolles Gemälde einer bäuerlichen, naturnahen Welt, die durch die technische und wirtschaftliche Entwicklung dem Untergang geweiht ist.

CH 1990
100 Min, , 16 mm
Regie: Jacqueline Veuve
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So 23. April 2000 • 20:15 Uhr

DIE SIEBTELBAUERN

Der Bauer ist tot. Doch weder die Kirche noch die gierige Konkurrenz im Dorf erbt den Hof des Nachkommenlosen, sondern die mittellosen Mägde und Knechte, die bis anhin darauf beschäftigt waren. Als diese frischgebackenen Siebtelbauern sich für den Verbleib am Hof entscheiden, beginnt für sie nicht nur ein Leben in ungewohnter Freiheit, sondern alsbald auch der Kampf ums nackte Überleben. Ein Heimatfilm besonderer Art – dramatisch, unsentimental, humorvoll und subversiv. Ein Alpen-Western, von dem alle schwärmen, die ihn bisher gesehen haben.

Österreich, Deutschland 1998
95 Min, ,
Regie: Stefan Ruzowitzky
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So 30. April 2000 • 20:15 Uhr

WIR BERGLER IN DEN BERGEN SIND EIGENTLICH NICHT SCHULD, DASS WIR DA SIND

Das weitausholende Werk beschreibt die Lage der BewohnerInnen dreier Gebirgstäler im Kanton Uri. Dabei entsteht eine wirklichkeitsnahe, klischeefreie Analyse eines schweizerischen Entwicklungsgebietes, die durch eine differenzierte, ruhige Gestaltung beeindruckt. Ein bedeutendes volkskundliches, gesellschaftspolitisches und menschliches Dokument von kunstvoller Einfachheit. (Zoom)

CH 1975
108 Min, , 16 mm
Regie: Fredi M. Murer
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