ISRAEL
Die Filmauswahl für das Septemberprogramm zum Thema „Israel“ hat vor dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz statt gefunden, vor den blutigen Konfrontationen im Libanon. Und obwohl Israel mittlerweile wieder einmal massiv im Kreuzfeuer der internationalen Kritik steht, obwohl auf beiden Seiten unsägliche Dinge passieren und grosses Leid entsteht, möchten wir an diesem Programm festhalten – gerade auch wegen der Aktualität. Kein anderes Land polarisiert wohl derart stark wie Israel. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Wie erlebt die Bevölkerung diesen Strudel der Gewalt, wie gestaltet sich der Alltag? Das israelische Volk ist ein unruhiges Volk, ein Volk, in dem sich die andauernden politischen Wirren, die Kriege, die Zerrissenheit des Landes widerspiegeln. Diesem Volk wollen wir in unserem Septemberprogramm Platz geben. Es geht nicht um gut oder böse, richtig oder falsch. Es geht nicht darum zu werten. Es geht auch nicht darum zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Es geht lediglich darum, für einmal den Fokus nicht nur auf die Aggressivität, die Bedingungslosigkeit, die Gewalt zu lenken, sondern auch auf die Menschlichkeit, die Kreativität und die Sensibilität, ohne jedoch den Nahostkonflikt einfach auszublenden, der in allen Filmen mehr oder weniger intensiv spürbar ist.
Achtung:
Ab September 2006 beginnt die reguläre Sonntagabend-Vorstellung bereits um 19.30 Uhr!
Programmation: Eva Ashinze
So 03. September 2006 • 19:30 Uhr
MUR
Simone Bitton, marrokanische Jüdin, führt uns in diesem Dokumentarfilm entlang der Trennmauer, die eines der explosivsten Gebiete der Welt aufteilt. Sie macht die einen zu Gefangenen, die anderen zu Eingeschlossenen. Auf der Baustelle der sinnlosen Mauer übertönen die Worte der Tageszeitung, die heiligen Gesänge, Hebräisch und Arabisch die Kriegstiraden und bahnen sich einen Weg durch den von Bohrmaschinen und Bulldozern verursachten Lärm. All die Schönheit dieser Gegend und die Menschlichkeit der Bewohner scheint wie ein letztes Geschenk an den Zuschauer, bevor alles hinter der Mauer verschwindet.
96 Min, Ov/f/d,
Regie: Simone Bitton
So 10. September 2006 • 19:30 Uhr
KADOSH
Mea Shearim ist ein jerusalemer Quartier, in dem ultraorthodoxe Juden und Jüdinnen unter sich bleiben. Die Vorschriften von Thora und Talmud prägen den Alltag. Rivka und Meir sind seit zehn Jahren verheiratet; ihre Beziehung ist von Liebe und Respekt geprägt. Da die Ehe jedoch kinderlos geblieben ist, muss sie in den Augen des Rabbi geschieden werden. Amos Gitai erzählt eine gradlinige, auf wenige Figuren konzentrierte doch umso dichtere Geschichte, die den die israelische Gesellschaft weiterhin aufs Gefährlichste spaltenden Konflikt zwischen orthodoxen und säkularen Juden thematisiert.
108 Min, Ov/f/d,
Regie: Amos Gitai
So 17. September 2006 • 19:30 Uhr
Promises
Mit Promises (Versprechen, Hoffnung, Zuversicht) erhielt der Film einen programmatischen Titel, der heute angesichts der politischen Realität im Nahen Osten anachronistisch oder reichlich optimistisch anmutet. Dennoch ist dieser einfühlsame Dokumentarfilm aktuell: die Konflikte, die der verfahrenen Situation zu Grunde liegen, sind die selben geblieben. Die Staatsgründung Israels 1948, die für die Juden nach ihrer zweitausendjährigen Diaspora, Verfolgung und schliesslich dem Holocaust einen hoffnungsvollen Neuanfang markierte, war für 700.000 Palästinenser «Al-Nakbah», die Katastrophe: Vertreibung, Verlust der Heimat, Flüchtlingslager, Armut.
106 Min, Ov/d/f,
Regie: Justine Shapiro, B. Z. Goldberg, Carlos Bolado
So 24. September 2006 • 19:30 Uhr
YOSSI UND JAGGER
Ein kurzer Film, der seine Geschichte in gerade mal 65 Minuten erzählt. Da bleibt keine Zeit für lange Umwege. Gradlinig zeigt Eytan Fox eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern im israelischen Militär. Er erzählt von der Liebe zwischen dem Kompaniechef Yossi, und dem Korporal Jagger. Yossi, der mehr auf seine Karriere bedacht ist als sein Freund, besteht zum Ärger von Jagger darauf, die Beziehung geheim zu halten. So suchen sie Gelegenheiten, um sich heimlich zu lieben. Der Film, der sich in einer grossen emotionalen Spannweite zwischen Fröhlichkeit und Trauer bewegt, wurde in Israel zum Überraschungshit beim jungen Publikum.
65 Min, ,
Regie: Eytan Fox
Fr 29. September 2006 • 20:30 Uhr
STUMMFILM LIVE VERTONUNG
Die Filme «Mighty Like A Moose» & «Crazy Like A Fox» mit Charley Chase sind absolute Publikumserfolge. Jochen Kauffman an der Gitarre und Daniel Hildebrand an der Mundharmonika vertonen die halbstündigen Filme aus den zwanziger Jahren mit viel Witz, aber auch Feingefühl.
www.daniel-hildebrand.ch
Min, ,
Regie:
Fr 29. September 2006 • 22:00 Uhr