Atom Egoyan & Co
Identitätssuche, Familiendramen, Voyeurismus und Obsessionen stehen im Zentrum der Filme von Atom Egoyan. Geboren 1960 in Kairo als Sohn armenischer Eltern, wuchs Egoyan in Kanada auf, wo er in Toronto klassische Gitarre und Politik studierte und nach einigen Kurzfilmen 1984 mit „Die nächsten Angehörigen“ als Spielfilmregisseur debütierte. Mit dem für die Oscars nominierten „The Sweet Hereafter“ schaffte Egoyan den weltweiten Durchbruch. Egoyans Filme mit ihren parallelen Handlungssträngen und komplizierten Rückblenden erreichen ihre hypnotische Wirkung durch einlullende Kamerafahrten, wenig Musik, traumhafte Interieurs und die erst allmählich enthüllten Motive und Zusammenhänge der Personen, die „wie in einem Striptease“ in einer erotischen Inszenierung sich offenbaren.
Eigentlich wollten wir im März ausschliesslich Filme zeigen, die von Egoyan inszeniert wurden. Aus bestelltechnischen Gründen ist dies leider für 35 mm-Filme nicht möglich. Wir ergänzen Egoyans Filme mit zwei weiteren kanadischen Werken, wobei Away from Her von Egoyan produziert wurde.
Programmation: Anita und Serge Mühlematter
So 09. März 2008 • 19:30 Uhr
AWAY FROM HER
Seit 50 Jahren sind Fiona und Grant verheiratet; seine vereinzelten Seitensprünge sind Jahrzehnte her und Fiona hat ihm verziehen. Gelegentlich macht sie noch Andeutungen, die für Spannungen sorgen, dennoch verspricht der Lebensabend glücklich zu werden – bis Fiona immer stärker unter Gedächtnisverlust leidet und man Alzheimer bei ihr diagnostiziert. Schon bald darauf beschliesst sie, sich selbst in ein Pflegeheim, das auf Fälle wie ihren spezialisiert ist, einzuweisen. Zum ersten Mal in ihrer Ehe werden die beiden getrennt.
110 Min, E/d/f,
Regie: Sarah Polley
So 16. März 2008 • 19:30 Uhr
FELICIA'S JOURNEY
In Birmingham trifft die junge attraktive Irin Felicia auf den Kantinenkoch Hilditch.
Dieser versucht, seine Leere mit jungen Frauen auszufüllen. Hilditch konnte die Erwartungen seiner Mutter als Kind nicht erfüllen und pflegt immer noch einen starken Mutterkomplex. Die Geschichte entwickelt sich zu einem Krimi…
Typisch für Atom Egoyan ist die Darstellung gestörter Familienverhältnisse. Mit psychoanalytischen Deutungen können gewisse Handlungen der Figuren erklärt werden.
116 Min, E/d/f,
Regie: Atom Egoyan
So 23. März 2008 • 19:30 Uhr
ATANARJUAT
Die fast zweitausendjährige und mündlich überlieferte Legende vom „schnellen Läufer“ (Atanarjuat) ist der erste kanadische Spielfilm, der von Inuit geschrieben, produziert, inszeniert und gespielt wurde. Der Film wurde in Iglulik, im nordkanadischen Territorium Nunavut, gedreht. Faszinierend ist, wie der Film die archaische Lebensart dieses in der arktischen Wildnis angesiedelten Naturvolkes vor unseren Augen lebendig werden lässt. Atanarjut ist ein einmaliges, bildgewaltiges Zeugnis einer fast vergessenen Kultur. X-fach preisgekrönt.
170 Min, Ov/d/f,
Regie: Zacharias Kunuk
So 30. März 2008 • 19:30 Uhr
WHERE THE TRUTH LIES
Ein mysteriöser, provokativer Thriller über Liebe, Verrat und Ehrgeiz. Zwischen von der Mafia gemanagten Clubs der 50er Jahre und glamourösen Villen in den Hollywood Hills im Jahr 1972 lotet dieser erotische Film Noir die beängstigende und destruktive Seite von Ruhm und Reichtum aus.
Nebst einer packenden Story seziert Egoyan gänzlich unaufdringlich, aber mit unerbittlicher Schärfe die gesellschaftlichen Verhältnisse und die öffentliche Doppelmoral in der amerikanischen Gesellschaft.
107 Min, E/d/f,
Regie: Atom Egoyan