DokuFest – Dokumentar- und Kurzfilmfestival Prizren / Kosovo
DokuFest ist das wohl bedeutendste Kulturereignis im Kosovo und wurde 2002 zum ersten Mal durchgeführt. Die Idee war, ein wertvolles Kulturgut auch für die nächsten Generationen zu erhalten, die Kinematografie im Kosovo aufleben zu lassen und international bekannt zu werden. Dies wurde erfolgreich erreicht. Heute nehmen kosovarische Filme an wichtigen Filmfestivals der Welt teil. Das besondere an DokuFest ist, dass in dieser Zeit die Stadt nicht Prizren sondern DokuFest heisst und jeden verzaubert, der dort weilt. Das Kino Nische widmet deshalb sein Aprilprogramm diesem tollen Festival, dass unter internationalen Filmemachern und Filmliebhabern immer noch als Geheimtipp gehandelt wird. Es findet auch dieses Jahr vom 5. bis 13. August 2016 statt (www.dokufest.com).
Programmation: Ivana Kvesic in Zusammenarbeit mit Eroll Bilibani (Executive Director DokuFest)
So 03. April 2016 • 19:30 Uhr
Flotel Europa
Als der Regisseur dieses Films noch ein Kind war, stand er vor dem «Flotel Europa» und war begeistert, dass dieses riesige Schiff im Hafen von Kopenhagen fortan für ihn, seinen älteren Bruder und seine Mutter das neue Zuhause sein würde. Zusammen mit etwa 1000 Flüchtigen aus Ex-Jugoslawien. Durch seine Erinnerungen an jene Zeit gelingt es Vladimir Tomic, aus Privatdokumenten, die auch für die Bebilderung des Flüchtlingselends und einer gestohlenen Kindheit stehen, etwas Neues, Eigenes, Anderes zu machen. Die Perspektivverschiebung von innen nach aussen macht «Flotel Europa» zu einem autobiografischen Film über ein Schicksal, das einen sonderbar berührt, weil es den Flüchtling aus der Opferrolle befreit – und einen schüchternen Jungen in einen sympathischen Filmstar verwandelt.
70 Min, bs/en, digital
Regie: Vladimir Tomic
So 10. April 2016 • 19:30 Uhr
The Look of Silence
Nachdem Joshua Oppenheimer in seinem viel beachteten Dokumentarfilm «The Act of Killing», die stolzen Täter des Massenmordes in Indonesien Mitte der 1960er-Jahre dazu animierte, ihre Verbrechen nachzustellen, greift er in seinem Folgewerk die Perspektive der Opfer auf. Im Mittelpunkt von «The Look of Silence» steht der Optiker Adi, dessen Bruder damals auf brutale Weise getötet wurde. Um das bis heute vorherrschende Schweigen zu brechen, wendet er sich an frühere Befehlshaber und Handlanger, mit denen er über ihre Taten und ihre persönliche Verantwortung spricht. Interviews, die schonungslos deutlich machen, dass eine ernsthafte Aufarbeitung der schrecklichen Ereignisse in der indonesischen Gesellschaft noch lange nicht begonnen hat.
Wurde am Zurich Filmfestival 2015 präsentiert und war in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm 2015» für einen Oscar nominiert.
99 Min, ind/en/de, digital
Regie: Joshua Oppenheimer
So 17. April 2016 • 19:30 Uhr
Velvet Terrorists
Drei Männer sind die Helden dieses aussergewöhnlichen Films. Alle haben sie in den 80er- Jahren terroristische Anschläge gegen das Regime in der Tschechoslowakei geplant oder durchgeführt und sassen dafür mehrere Jahre im Gefängnis. Stano wollte eine Tribüne der kommunistischen Partei in die Luft sprengen, Fero plante einen Anschlag auf den langjährigen Staatspräsidenten Gustáv Husák. Vladimír hat Plakatwände gesprengt und Protestflyer vom Himmel regnen lassen. Im Film rekonstruieren die Männer ihre Aktionen. Zugleich geben sie preis, was ihr Leben heute ausmacht. Auf doppelbödig-humorvolle Weise lässt der Film die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, zwischen Heroismus und Dummheit. Lakonisch und mit leiser Ironie erzählt der Film eine Geschichte von Menschen zwischen Totalitarismus und Rebellion.
87 Min, cs/sk/en, digital
Regie: Peter Kerekes/Pavol Pekarcík/ Ivan Ostrochovský
So 24. April 2016 • 19:30 Uhr
The Queen of Silence
Gerade mal 10 Jahre alt ist Denisa und fast komplett gehörlos. Und doch lässt sich das Roma-Mädchen nicht von seinem Traum abbringen: Sie tanzt für ihr Leben gern. Weil sie auch nie zu sprechen gelernt hat, ist die Musik und das Tanzen ihr Ausdruck, ihr Weg, sich der Welt mitzuteilen. Am Beispiel dieses mutigen Mädchens erzählt die Regisseurin Agnieszka Zwiefka vom harten Leben der Roma in ihrer Heimat Polen.
80 Min, ro/pl/en, digital
Regie: Agnieszka Zwiefka