Programm

Gypsy Spirit

Lustig ist es durchaus, genauso wie rau, grausam und manchmal nahezu kleinbürgerlich, das sagenumwobene und durch Vorurteile belastete Leben der Roma, Sinti oder Jenischen. Dabei spielt es keine Rolle ob sie unterwegs sind oder sesshaft. Ausgrenzung, Armut und Kriminalität prägen oft ihren Alltag, aber auch die Musik spielt eine wichtige Rolle. Vier Filme aus verschiedenen Ländern und Kulturen geben Einblick in einige ihrer Lebenswelten.

Programmation: Nicole Weissenberger

So 05. Juni 2016 • 19:30 Uhr

Gypsy Spirit

Gitarrist und Weltmusik-Star Harri Stojka hat von seinem Vater die Gypsy-Musik erlernt. Er möchte deren Wurzeln kennenlernen, aber dazu muss er sich auf eine weite Reise begeben. Denn das Volk der Roma, das in der Hauptsache die Gypsy-Musik spielt, entstammt ursprünglich nicht dem europäischen, sondern dem asiatischen Kulturkreis und wanderte vor Jahrhunderten nach Europa ein. So führt Stojkas Reise nach Indien, genauer gesagt in den Bundesstaat Rajasthan. Unterwegs gibt es viel zu sehen und zu entdecken – überall, wo Stojka Rast macht, wird musiziert und dort wird er auch verstanden. Die gemeinsame Sprache der Musik lässt ihn rasch neue Freundschaften schliessen und dabei lernt er tatsächlich viel über den Gypsy-Stil, der von den indischen Musikern noch auf ganz ursprünglichen Instrumenten praktiziert wird.

Österreich/Indien 2010
91 Min, de, digital
Regie: Klaus Hundsbichler
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So 12. Juni 2016 • 19:30 Uhr

Gadjo Dilo

Der junge Franzose Stéphane durchquert das winterliche Rumänien auf der Suche nach der mysteriösen Sängerin Nora Luca, deren Lieder sein verstorbener Vater einst gehört hatte. Eines Abends trifft Stéphane auf den alten Roma Isidor, der ihn in sein Dorf mitnimmt. Nach anfänglicher Skepsis versuchen die Dorfbewohner, Stéphane bei seiner Suche behilflich zu sein. Dieser dringt immer tiefer in die Welt der Roma und ihrer Musik ein – vor allem aber fasziniert ihn die hübsche Sabina. Gatlif will in Gadjo Dilo Augenblicke zeigen, die er dem Leben abgeknöpft hat. Er hat darum einen Hauptpart mit einem alten Laien aus Transsylvanien namens Izidor besetzt, der immer wieder den Erzählfluss sprengt: Gefällt ihm eine Szene, bleibt Gatlif dran. «Gadjo Dilo» kommt daher wie Izidors Geigengeschrammel: voll falscher Noten und gerade darum genau richtig.

Rumänien 1997
104 Min, fr/de, 35mm
Regie: Tony Gatli
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So 19. Juni 2016 • 19:30 Uhr

Just the Wind

Anschliessend: Information zum Leben von Roma in Osteuropa durch den Förderverein «Roma Visionen – konkret», ca. 30 Minuten

Der Film erzählt von einem Tag im Leben einer ungarischen Roma-Familie, vom Tagesanbruch bis in die Nacht. Das Drama wurde von einer realen Mordserie an Roma in Ungarn inspiriert. Liz Jung rezensierte den Film für die Kulturzeit und kam dabei zum Schluss: «Und natürlich schockiert und berührt dieser Film bis ins Mark. Zumal man keinen rechten Ausweg aus dieser Nummer sieht. Fliegauf klagt die Gesellschaft, in der sich solche Rassisten breitmachen dürfen, an. Das kapiert selbst der Abgehärteste.» «Csak A Szél» ist ein tief wirkender Film, der einen lange nicht loslässt. Im September 2012 wurde der Film als offizieller Kandidat Ungarns für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt.

«Roma Visionen – konkret» ist ein Schweizer Förderverein und leitet ein Entwicklungsprojekt, das jungen Roma aus Krichim (Bulgarien) Praktika-Stellen in der Schweiz anbietet, damit diese berufliche Erfahrung sammeln können. Durch eine qualifizierte Berufsbildung steigt das gesellschaftliche Ansehen der Roma. Gleichzeitig wird damit den benachteiligten Menschen in Krichim geholfen, eine Basis für ein würdevolles Leben und ihre Existenzsicherung zu schaffen.

Ungarn/Deutschland/Frankreich 2012
91 Min, hu/de, digital
Regie: Benedek Fliegauf
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So 26. Juni 2016 • 19:30 Uhr

Jung und Jenisch

Pascal, Miranda, Jeremy und Franziska sind richtige Zigeuner. Sie sind zwischen 17 und 25 Jahre alt, lieben starke und grosse Autos und haben sich entschieden, für immer auf Achse zu sein. So wie viele andere junge Jenische. Sie brauchen ihre Freiheit und kämpfen darum. Sie zeigen eine Welt, die Sesshaften sonst verschlossen bleibt. Ein anderes und doch sehr schweizerisches Leben. Zigeuner heute – entzaubert, lebensnah. Die Sesshaften, zu denen auch die beiden Regisseurinnen des Films gehören, werden immer noch gefürchtet. Diese Angst wird weitergegeben von den Eltern und Grosseltern, die als Kinder gewaltsam aus den Familien gerissen wurden. Die «Aktion Kinder der Landstrasse» des Kinderhilfswerks Pro Juventute wirkt nach. So sind die Welten bis heute getrennt. Und die Vorurteile haben sich gehalten – auf beiden Seiten.

Schweiz 2010
73 Min, ch-d, digital
Regie: Karoline Arn/Martina Rieder
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