Favela
Die Bezeichnung «Elendsviertel» wird ihr bei Weitem nicht gerecht: Die Favela, Heimat für Millionen von Menschen verschiedener Herkunft und Hautfarbe in Brasiliens Grossstädten, ist buntes Geflecht aus improvisierten und in Eigenregie gebauten Häusern und Hütten, Ursprungsort zahlreicher Musikstile wie des Samba und des Baile Funk, Siedlung voller Leben und Solidarität. Seit Jahrzehnten von der Regierung stigmatisiert, funktioniert die Favela meist nach ihren eigenen Regeln und Gesetzen. Und ist somit auch oft Nährboden für die internationale Drogenmafia.
Im Januar taucht das Kino Nische ein in die Welt der brasilianischen Favela, in der Leben und Tod, Freude und Leid, kultureller Reichtum und finanzielle Not so nah beieinanderliegen.
Programmation: Natalina Töndury
So 05. Januar 2020 • 19:30 Uhr
Favela olimpica
Die Olympischen Spiele 2016 kommen immer näher und Rio de Janeiro bereitet sich vor, die internationale Gemeinschaft zu empfangen. Luxushotels und Stadien werden errichtet. Die Favela Vila Autódromo, einen Steinwurf vom Olympischen Park entfernt, passt nicht ins Bild der Postkartenidylle und soll abgerissen werden. Doch mutige Bewohner*innen leisten Widerstand. Ein fesselnder, feinfühliger Dokumentarfilm über die Stigmatisierung der Favela und den Zusammenhalt und Kampfgeist ihrer Bewohner*innen.
93 Min, pt/de, digital
Regie: Samuel Chalard
So 05. Januar 2020 • 19:30 Uhr
Les soeurs de coeur
5 Min, ohne Dialog, digital
Regie: Kathrin Hürlimann, Thirza Ingold
So 12. Januar 2020 • 19:30 Uhr
Acorda Brasil – The Violin Teacher
Der Profi-Violinist Laerte nimmt aus der Not eine Stelle als Musiklehrer in der Favela Heliópolis in São Paulo an. Bach, Vivaldi und die Favelakids – eine herausfordernde Kombination. Doch in der neuen Umgebung entdeckt Laerte seine Leidenschaft für die Musik neu und vermag auch seine Schüler*innen zu begeistern. Inspiriert von der Gründungsgeschichte des Symphonieorchesters Heliópolis, erzählt «Acorda Brasil» die bewegende Geschichte eines Musikers und seiner Schüler*innen, deren Leben durch die Kunst verändert wurde. Ein Feelgood-Movie mit mitreissendem Sound!
103 Min, por/de, digital
Regie: Sergio Machado
So 19. Januar 2020 • 19:30 Uhr
Domésticas, o filme
In Brasilien gibt es so etwas wie ein unsichtbares zweites Land, jenes der Domésticas, der Hausangestellten. Sie heissen Cida, Roxanne, Quitéria oder Raimunda und sind tagaus tagein damit beschäftigt, anderen den Haushalt zu besorgen und das Haus sauber zu halten. Alle träumen sie von einer glücklichen Heirat, einem besseren Mann oder einer Karriere als Mannequin. «Domésticas – O Filme» ist nun nicht etwa ein dokumentarischer Report über Hausangestellte, es ist vielmehr ein schmissiger Spielfilm voller Witz und Humor, der ganz einfach Menschen hinter den Kulissen einer lateinamerikanischen Grossstadt zu Hauptfiguren macht. Es ist eine Komödie mit hervorragenden Schauspieler:innen, die so echt wirken, dass man mitunter das Gefühl bekommt, sie alle seien längst wieder in den Küchen am Putzen. Es ist auch ein Film voll kleiner Hoffnungen aus dem Alltag.
Die Nische hat den Film ganze dreimal gezeigt: im Oktober 2007 im Brasilienprogramm sowie im März 2014 im Programm «Unsichtbares sichtbar machen» und im Januar 2020 im «Favelas»-Programm.
88 Min, ov/f/d, 35mm
Regie: Fernando Meirelles & Nando Olival
So 26. Januar 2020 • 19:30 Uhr
Cidade de Deus (Programmänderung!)
Leider können wir nicht wie geplant den Film «Tropa de Elite» zeigen, da die Vorführrechte in der Schweiz nicht auffindbar sind. Stattdessen zeigen wir euch mit «Cidade de Deus» ein packendes und preisgekröntes Strassenjugend-Epos aus der Favela.
In der Favela Cidade de Deus (Stadt Gottes) kämpfen die beiden Jugendlichen Dadinho und Buscapé um ihr tägliches Überleben. Der eine setzt auf den Handel mit Kokain und verübt Raubüberfälle. Der andere träumt davon, Fotograf zu werden. Basierend auf dem Buch von Paulo Lins erzählt dieser unvergessliche Film von Freundschaft und Verlust. Von der Faszination und der Gnadenlosigkeit des Bandenlebens, von der Kraft der Träume und vom intensiven Leben in der Metropole Rio de Janeiro. Ein Film, der unter die Haut geht!
129 Min, Port/d, digital
Regie: Fernando Meirelles