Der Stand der Bauern (und ihrer Frauen) (Teil 2)
Die rasende Liberalisierung und Globalisierung der Märkte zwingt uns allen, ob wir es wollen oder nicht, ein unerbittliches Leistungsdiktat auf. Die in der Landwirtschaft tätigen Menschen bekommen diesen Druck wohl am direktesten und stärksten zu spüren. Vor 150 Jahren waren in der Schweiz noch zwei Drittel aller Beschäftigten Bäuerinnen und Bauern, heute sind es noch knapp vier Prozent. Trotzdem ist die Landwirtschaft in diesem Land gesellschaftspolitisch enorm bedeutsam und Auseinandersetzungen um Produktionsweisen, um Preise und Verdienste bleiben stets aktuell. Die Diskrepanz zwischen heutiger agrarischer Produktion und dem Bild einer bäuerlichen Welt, das noch in unseren Köpfen steckt, die sprichwörtlich dicken Schädel der BäuerInnen, ihr Widerstand gegen die Konsumgesellschaft und ihr sporadisches Aufbegehren, dies sind Themen, die auch im Schweizer Film gerne behandelt werden. Für zwei Monate sind sie auch Thema im Kino Nische. Wir zeigen Knechte und Mägde die Höfe erben, “Stieregrinde” die sich gegen Kartoffeln und Staatsbeamte wehren, solche die finden es müsse alles anders werden und solche die alles anders machen. Wir sehen und hören StädterInnen, die übers Land nachdenken, sehen Bauern mit dem Berg kämpfen und Bäuerinnen mit dem Brotteig, Westschweizer am Käsekessi und Ostschweizer am Kadaverwolf, und wir hören zwei Monate lang ? im Kino eher eine Seltenheit ? die Menschen in urchigen Dialekten sprechen. Der österreichische Film “Die Siebtelbauern” mag zwischen all den Schweizer Produktionen etwas fehl am Platz erscheinen. Da es sich aber um einen der letztjährigen Lieblingsfilme des Programmierers handelt, und er so schön zum Thema passt, wird auch er gezeigt.
Programmation: Rikky Meier
So 10. Mai 2026 • 13:48 Uhr
BAUERNKRIEG
»Bauernkrieg« ist der zweite Film einer Bauern-Trilogie, die sich mit der Existenz des Bauern am Ende des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt (zusammen mit Sennen-Ballade und Hirtenreise ins dritte Jahrtausend). Im Zentrum stehen die Fragen nach Identität, Überleben und Zukunft. Jedes
dieser drei Themen bildet jeweils den Schwerpunkt eines einzelnen Films. „Bauernkrieg“ beschäftigt sich mit dem Überleben der Landwirtschaft am Übergang von einer staatlich gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Die meisten Bauern setzen auf den technischen Fortschritt und die Hochleistungszucht, um in dieser neuen Marktsituation zu überleben. Viele können nicht mithalten und geben auf.
84 Min, ,
Regie: Erich Langjahr
So 07. Mai 2000 • 20:15 Uhr
Der schwarze Tanner
Ein Schweizer Bergbauer widersetzt sich im Zweiten Weltkrieg bis zur letzten Kon-sequenz einer Anordnung der Regierung, da es ihm unsinnig erscheint, eine steile Gebirgsweide in Ackerland umzuwandeln. Ein unaufdringliches politisches Lehrstück über Recht und Pflicht des einzelnen zum politischen Widerstand und über die Un-beugsamkeit der Menschenwürde.
107 Min, ,
Regie: Xavier Koller
So 14. Mai 2000 • 20:15 Uhr
DER STAND DER BAUERN
Das Porträt von fünf Schweizer Bauernbetrieben geht der Krise und der Neuorientierung des Bauernstandes nach. Das mit solidem dokumentarischem Handwerk entwickelte Bild pendelt zwischen Mythos und Realität: In der Spannung zwischen den traditionellen Werten der geistigen Landesverteidigung und der harten Realität, die den BäuerInnen eine Orientierung am Weltmarkt aufzwingt, versuchen diese neue Wege zu gehen. Die Überlebensstrategien reichen vom ökologischen Landbau über Embryonentransfer bis zur Bisonzucht. Vorfilm: MERCI NATEX (CH 1997, 13 Minuten, von Elie Khalifé und Alexandre Monnier)
89 Min, , 35 mm
Regie: Christian Iseli
So 21. Mai 2000 • 20:15 Uhr
Höhenfeuer
«Höhenfeuer» ist ein Schweizer Meisterwerk von Fredi M. Murer. Auf einem abgelegenen Bauernhof wird die Geschichte von Tochter Belli, dem gehörlosen Sohn, der einfach Bub genannt wird, sowie von Vater und Mutter erzählt. In ihrer Einsamkeit kommt das Geschwisterpaar sich näher. Das Unheil bahnt sich an, als Belli schwanger wird.
119 Min, ch-de, digital
Regie: Fredi M. Murer