Reisen Teil 1
Roadmovies, Ferienfilme, Entdeckerfilme, Fluchten, Suchen: mit einer Auswahl von sieben Filmen stimmen wir auf die sommerliche Reisezeit ein. Der Gemeinsame Punkt dieser Filme ist die Bewegung. Was Reisen ausmachen sind Begegnungen, Bekanntschaften, aussergewöhnliche Begebenheiten, die nur geschehen, weil man im Hier und Jetzt unterwegs ist. Eine Reise entwickelt immer eine ganz eigene Dynamik, die einen die Augen öffnet für Dinge, die sonst ungeachtet an einem vorbeigehen. In einer Fülle von Filmen wird deshalb das Reisen thematisiert oder das Unterwegssein als Ausgangssituation benutzt. Sie erzählen von all den grossen und kleinen Dingen, die einem in der Fremde widerfahren können. Anschliessend an dieses anderthalb Monate – Programm macht auch das Kino Nische Ferien. Wir wünschen einen schönen Sommer! Marco Bürkli und Ursina Meier
So 03. Juni 2001 • 20:15 Uhr
TGV
In seinem zweiten Spielfilm „TGV“ unternimmt der senegalesische Filmemacher Moussa Touré auf wunderbar leichte Art eine Reise durch seinen schwarzafrikanischen Kontinent. In einem bunt bemalten Bus, den der Chauffeur mit dem für sich sprechenden Namen Rambo in Anlehnung an den französischen Hochgeschwindigkeitszug kühn „TGV“ nennt, hat er eine illustrative Auswahl von ZeitgenossInnen vereint, die sich in unterschiedlichen und zum Teil für sie nicht sonderlich angenehmen Situationen behaupten müssen. Moussa Touré bringt in seinem knatterigen Gefährt unter anderem einen flüchtigen Finanzminister, ein verirrtes europäisches Ethnologenpaar, einen Dealer und weitere BewohnerInnen des afrikanischen Kontinents unter. Mit herrlich instrumentierten und abgestimmten Dialogen, streitend, neckend, lachend fährt die zufällige Gesellschaft von einer augenzwinkernden Anspielung zur nächsten. Ein Trip zur Entdeckung eines halben Kontinents.
90 Min, F/d,
Regie: Moussa Touré
So 10. Juni 2001 • 00:00 Uhr
PARIS, TEXAS
Auf den ersten Blick scheint «Paris, Texas» wie ein klassischer Roadmovie. Autos, die Wüste, die bis an den Horizont reicht und Kakteen am Strassenrand, Motels, Leuchtreklamen in der Abenddämmerung. Der Highway, welcher sich durch diese Landschaften, durch die schiere Weite des amerikanischen Westens zieht, ist eines der Motive, welches wie wenig andere für Freiheit steht.
Travis, der wortkarge Protagonist, welcher in der ersten Szene des Films völlig verstaubt aus der Wüste ins Bild tritt, ist aber kaum ein freiheitsliebender Abenteurer; er ist getrieben, wirkt zerrissen. Nur langsam erfahren wir mehr über sein Schicksal…
Wie Wim Wenders in «Paris, Texas» Geschichte und Charaktere entwickelt, ist wahrlich faszinierend. Ein Film, der einen trotz des gemächlichen Erzähltempos bis zum Schluss nicht loslässt und noch lange nachhallt.
145 Min, ov/dt, digital
Regie: Wim Wenders
So 17. Juni 2001 • 20:15 Uhr
LE PETIT PRINCE A DIT
Das Mädchen Violette lebt bei ihrem geschiedenen Vater und verbringt aufregende Ferien bei ihrer utter. Sie ist glücklich. Bis ihr bei einer Routineuntersuchung ein unheilbarer Hirntumor diagnostiziert wird. Der Vater tritt daraufhin mit ihr eine Reise an, die als Flucht vor der Realität beginnt und in einer stillen und traurigen familiären Wiedervereinigung endet.
106 Min, , 35 mm
Regie: Christine Pascal
So 24. Juni 2001 • 20:15 Uhr
CABEZA DE VACA
Cabeza de Vaca bereiste im 16. Jahrhundert den Norden Mexikos und hinterliess einen phantastischen Reisebericht. Dies ist die Verfilmung seiner Erzählung von der Begegnung mit der indianischen Kultur und dem Schamanismus, welche beim Reisenden einen Bewusstseinswandel auslöst. Und doch ist das christliche Kreuz am Ende noch immer die Metapher für Ausbeutung und Unterdrückung. Ein Film, geprägt von humanistischen Engagement, der sich in seiner Erzählweise der indianische Denkweise verpflichtet.
112 Min, , 35 mm
Regie: Nicolás Echeverría