CH05
Kaum fängt das neue Jahr an, wollen wir einen kurzen Rückblick auf das Schweizer-Filmjahr 2005 machen. Auch ein kleines Filmland, wie die Schweiz, kann ein weites Feld für neue Entdeckungen bieten. Gerade in einer Welt, in welcher die grossen, internationalen Produktionen den Markt beherrschen, sucht ein Teil des Publikums nach Originalität und nach Bezug zur eigenen Realität. Diesen vor allem im Bereich der Studiokinos angesiedelten Spielraum gilt es auszufüllen, mit Filmen mit Herz und Geist, die Hintergründe und Entwicklungen aufzeigen. Die 5 Filme aus der Schweiz werden durch den fesselnden Dokumentarfilm Darwin’s Nightmare im Nische Spezial Programm ergänzt.
So 01. Januar 2006 • 20:15 Uhr
NOTRE MUSIQUE
Drei Teile, durch die folgenden Titel auf schwarzem Hintergrund angekündigt: Erstes Königreich – die Hölle. Zweites Königreich – das Fegefeuer. Drittes Königreich – das Paradies.
Die Hölle, mit einer Dauer von ca. 7 bis 8 Minuten, setzt sich aus unterschiedlichen Kriegsbildern zusammen, die weder einer chronologischen, noch einer historischen Reihenfolge folgen. Flugzeuge, Panzer, Kriegsschiffe, Explosionen, Geschützfeuer, Hinrichtungen, Menschen auf der Flucht, verwüstete Landschaften, zerstörte Städte, usw. Das Ganze in schwarz/weiss, wie auch in Farbe. Die Bilder verlaufen stumm, begleitet von vier kurzen Kommentaren und vier Klaviersätzen.
Das Fegefeuer, Dauer ca. 1 Stunde, spielt im heutigen Sarajewo – eine der Märtyrerstädte – anlässlich der „Europäischen Buchmesse“. Man nimmt an Konferenzen teil, aber auch an Gesprächen im engeren Kreise, bei denen es um die Notwendigkeit der Poesie geht, dem Blick, den man von sich selber oder vom anderen hat, um Palästina und Israel, u.a. Teil nehmen daran reale, wie auch fiktive Personen. Der Besuch der im Wiederaufbau begriffenen Brücke von Mostar symbolisiert die Wechselwirkung zwischen Schuld und Verzeihen.
Das Paradies, ca. 10 Minuten, zeigt eine junge Frau – die man bereits im zweiten Teil wahrgenommen hat – wie sie, nachdem sie sich geopfert hat, ihren Frieden an einem Strand findet, der an einem Gewässer liegt, das von amerikanischen Marinesoldaten bewacht wird.
80 Min, F/d,
Regie: Jean-Luc Godard
So 08. Januar 2006 • 17:00 Uhr
DARWIN'S NIGHTMARE
Irgendwann in den sechziger Jahren wurden in den Viktoria See in Ostafrika eine fremde Fischart eingesetzt – es war ein kleines wissenschaftliches Experiment. Der Nil Barsch, ein hungriges Raubtier, hat es innerhalb von drei Jahrzehnten geschafft, fast den gesamten Bestand der ehemals 400 Fisharten auszurotten. Mit dem Effekt, dass es derzeit so einen Überfluss dieses fetten Fisches gibt, dass seine Filets in die ganze Welt exportiert werden.
An den Ufern des größten tropischen Sees der Welt landen jeden Abend riesige Frachtflugzeuge, um am nächsten Morgen wieder in die Industrieländer des Nordens zu starten, beladen mit hunderten Tonnen frischer Fischfilets. In Richtung Süden jedoch ist eine andere Ladung an Bord: Waffen. Für die unzählbaren Kriege im dunklen Herzen des Kontinents.
Dieser florierende globale Handel von Kriegsmaterial und Lebensmitteln hat an den Ufern des größten tropischen Sees der Welt eine seltsame Stimmung und Menschenmischung erzeugt, welche die „Darsteller“ dieses Films repräsentieren: einheimische Fischer, Agenten der Weltbank, heimatlose Straßenkinder, afrikanische Minister, EU-Kommissare, tansanische Prostituierte, russische Piloten…
107 Min, Ov/d/f,
Regie: Hubert Sauper
So 08. Januar 2006 • 20:15 Uhr
DIE VOGELPREDIGT
Zwei ältere Schauspieler aus Bern, ein komisch-tragisches Paar suchen ihren ehemaligen Regisseur auf, um ihn von einer neuen Filmidee zu überzeugen, ein feuriges, farbiges Werk mit schönen Frauen in Afrika, ein Sequel eines vor zehn Jahren erfolgreichen, gemeinsamen Films (?Das Schweigen der Männer“). Nach Irrfahrten und Pannen im nächtlichen winterlichen Appenin, wo sich die beiden in Teile eines erotischen Films und eines philosophischen Klosterfilms verirren, gelangen sie erschöpft zu Fuss zum Regisseur. Dieser hat sich ins steinige und melancholische Umbrien zurückgezogen und beschäftigt sich mehr mit Askese, Konsumverzicht und dem Untergang. Er hält nichts von Mainstream und kann die beiden überzeugen, einen Franziskanischen Film namens ?Die Vogelpredigt“ zu drehen. In Mönchskleidern werden sie zu den Proben in die sibillinischen Wälder geführt, dort aber schnappt die Falle zu, der Regisseur verschwindet und die beiden verirren sich in den labyrinthischen Wäldern. Sie schreien und schreien.
88 Min, Dialekt/f,
Regie: Clemens Klopfenstein
Mo 09. Januar 2006 • 20:15 Uhr
DARWIN'S NIGHTMARE
Irgendwann in den sechziger Jahren wurden in den Viktoria See in Ostafrika eine fremde Fischart eingesetzt – es war ein kleines wissenschaftliches Experiment. Der Nil Barsch, ein hungriges Raubtier, hat es innerhalb von drei Jahrzehnten geschafft, fast den gesamten Bestand der ehemals 400 Fisharten auszurotten. Mit dem Effekt, dass es derzeit so einen Überfluss dieses fetten Fisches gibt, dass seine Filets in die ganze Welt exportiert werden.
An den Ufern des größten tropischen Sees der Welt landen jeden Abend riesige Frachtflugzeuge, um am nächsten Morgen wieder in die Industrieländer des Nordens zu starten, beladen mit hunderten Tonnen frischer Fischfilets. In Richtung Süden jedoch ist eine andere Ladung an Bord: Waffen. Für die unzählbaren Kriege im dunklen Herzen des Kontinents.
Dieser florierende globale Handel von Kriegsmaterial und Lebensmitteln hat an den Ufern des größten tropischen Sees der Welt eine seltsame Stimmung und Menschenmischung erzeugt, welche die „Darsteller“ dieses Films repräsentieren: einheimische Fischer, Agenten der Weltbank, heimatlose Straßenkinder, afrikanische Minister, EU-Kommissare, tansanische Prostituierte, russische Piloten…
107 Min, Ov/d/f,
Regie: Hubert Sauper
So 15. Januar 2006 • 20:15 Uhr
Snow White (Strick-Kino)
Die Partyqueen Nico ist ein Luxusgirl aus reichem Hause an der Zürcher Goldküste. Für gewöhnlich zieht Nico mit ihrer Freundin Wanda durch das noble Zürcher Nachtleben und feiert bis zum Abwinken. Bis sie eines Abends in ihrer Stammdisco auf Paco trifft, einen coolen Rapper aus der Arbeiterklasse, der es ernst meint mit seinen sozialkritischen Texten. Die beiden werden ein Liebespaar. Nico ändert ihren Lebensstil radikal. Doch dann geht Paco mit seiner Band auf Tournee und Nico beginnt wieder Gefallen an ihrem alten Leben zu finden – mit dramatischen Folgen.
Gezeigt im Kino Nische im Rahmen des «CH05»-Programms im Januar 2006.
113 Min, ch-d(d, digital
Regie: Samir
So 22. Januar 2006 • 20:15 Uhr
IM NORDWIND
IM NORDWIND spielt in einer Zeit, in der das rauhe Klima der New Economy auch die Schweiz – dieses einst so sichere und wohlbehütete Land – heimsucht. Erwin Graf, 50, führt ein bürgerliches Leben in einer bürgerlichen Stadt mit Frau und Tochter und Job. Doch dann verliert er plötzlich seine Anstellung als Personalleiter bei der Firma, für die er beinahe zwanzig Jahren arbeitete. Erwin ist erschüttert. Zu Hause hält er die Kündigung geheim, schliesslich sind die Grafs gerade dabei, ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Jeden morgen verlässt er im Anzug die Wohnung. Er ist überzeugt, dass er bald eine neue Stelle finden wird. Nach Wochen ohne Erfolg wächst seine Anspannung ins Unerträgliche. Seine Ehefrau Kathrin spürt die Unruhe bei Erwin, doch sie fürchtet die Konfrontation und Tochter Lisa, 15, steckt mitten in der Berufswahl. Was sie wirklich will – das erzählt sie zu Hause niemandem.
95 Min, Dialekt/f,
Regie: Bettina Oberli
So 29. Januar 2006 • 20:15 Uhr
NOCTURNE
David mietet sich mit seinem letzen Geld im luxuriösen Hotel Waldhaus ein, um sich dort auf seinen Selbstmord vorzubereiten. Zur Inszenierung seiner letzten Tage gehört auch eine Einladung an seinen nichts ahnenden Bruder Gian, der unerwartet seine Freundin Valeria mitbringt. Im Spannungsfeld des angekündigten Freitodes gleiten die beiden Brüder und die junge Frau durch den Hotelalltag und begegnen dabei ihren unerfüllten Wünschen, ihrer Vergangenheit und einer beinahe unerträglichen Gegenwart. Nachdem Davids Suizidromantik Valeria endgültig in seinen Bann gezogen hat, entwickelt sich eine „Menage à trois“, die für jede der Figuren die Rettung, aber auch das Ende bedeuten könnte.
84 Min, D/f,
Regie: Riccardo Signorell