Afrika – Migration und neue Heimat
Migration bedeutet, eine Heimat zu verlassen und eine neue zu suchen. Afrika ist ein Kontinent mit grosser Wanderungstradition; innerhalb Afrikas oft konflikt- und notbedingt und jahrhundertelang auch über den Kontinent hinaus, aktuell immer häufiger ins “Paradies Europa“.
In unseren vier Filmen würdigen wir das afrikanische Filmschaffen zu diesem Themenkreis und erhalten dadurch einen aufschlussreichen Einblick in die „andere“ Sichtweise. Wir begleiten afrikanische Auswanderer in ihren Erfahrungen im mystifizierten Europa (Paris mon Paradis), fragen nach dem richtigen Zeitpunkt zur Überfahrt (Heremakono), begehen zusammen mit Rückkehrern den Weg auf der Suche nach den Wurzeln (notre étrangère) und begeben uns auf eine Zeitreise zwischen Afrika und Europa (Teza).
Das Novemberprogramm zum Thema Afrika und Migration ist eine Zusammenarbeit des Kino Nische mit den Kurzfilmtagen Winterthur (9. – 13. November 2011) und dem Filmfoyer. Wir zeigen als Vorfilme jeweils einen Kurzfilm aus afrikanischer Kamera.
Programmation: Vittorio Moretta und Raphael Karrer
So 06. November 2011 • 19:30 Uhr
En attendant le bonheur – Heremakono
Nouadhibou, eine Kleinstadt an der Küste Mauretaniens, ein Ort des Transits. Abdallah, auf dem Weg nach Europa, sitzt in seinem Zimmer mit dem ebenerdigen Fenster und beobachtet das Leben auf der Strasse als Fremder, da er die lokale Sprache nicht spricht. Im Laufe der Zeit nähert er sich einigen Bewohnerinnen und Bewohnern der kleinen Stadt an, beginnt sich für sie und ihr Leben zu interessieren. Soll er überhaupt noch fortgehen oder doch nicht? Abderrahmane Sissako schildert in ruhigen und wunderschönen Bildern das Leben in einer afrikanischen Kleinstadt, zeigt ihre Menschen mit grosser Sympathie und subtilem Humor. Und er behandelt sein immer wiederkehrendes Thema vom Fortgehen oder Hierbleiben.
Vorfilm: Shebelaw, Äthiopien 2010, 5’, Yidnekachew Shumete
95 Min, Ov/d,
Regie: Abderrahmane Sissako
So 13. November 2011 • 19:30 Uhr
Paris mon Paradis
Paris ist für viele Westafrikaner Traum und Mythos zugleich. Doch das Leben als Immigrant ist alles andere als traumhaft. Das spärliche Geld wird unter grossem Erwartungsdruck der Familie nach Hause geschickt. Von der Ausbeutung, Misere und Perspektivlosigkeit erzählen sie nichts, es wäre das Eingeständnis eines Versagens. Eine couragierte Dokumentation aus afrikanischer Sicht über die prekären Lebensumstände, Hoffnungen und die verlorene Würde von Migranten in Paris. (Sprache: Französisch ohne Untertitel!)
Vorfilm: La métaphore du manioc, Frankreich/Kamerun 2010, 15’, Lionel Meta
68 Min, F (ohne Untertitel),
Regie: Eléonore Yameogo
So 20. November 2011 • 19:30 Uhr
Teza
Nachdem Anberber einige Jahre in Deutschland Medizin studiert hat, kehrt er nach Äthiopien zurück und findet das Land seiner Kindheit in Aufruhr. Sein Traum, das Gelernte in Äthiopien anzuwenden, ist durch die Junta Mengistus in Frage gestellt, weil diese die Intellektuellen für ihre politischen Ziele missbrauchen will. Erinnerungen aus der Kindheit tauchen auf, ganz besonders, nachdem Anberber nach einer weiteren Abwesenheit mit einer Verletzung heimkehrt. Einer der eindrücklichsten Filme aus Afrika und ein Film auch über Europa.
Vorfilm: Happiness, Äthiopien 2010, 4’, Akilu Gebremedhin
139 Min, Ov/df,
Regie: Haile Gerima
So 27. November 2011 • 19:30 Uhr
Notre étrangère
Nach dem Tod ihres französischen Vaters reist die junge Aminata nach Burkina Faso, um dort nach ihrer Mutter zu suchen, die sie seit ihrem achten Lebensjahr nicht mehr gesehen hat. In Bobo trifft sie auf einen Teil ihrer Familie, stellt jedoch fest, dass sie sich hier ebenso fremd fühlt wie in Frankreich. In Paris lässt sich derweil die gutgestellte Ester von ihrer Haushaltshilfe Mariam die Sprache Dioula beibringen, sie will ein afrikanisches Kind adoptieren. Notre étrangère erzählt zwei Geschichten der Heimatlosigkeit und verwebt die Schicksale ihrer Protagonistinnen zwischen Frankreich und Afrika auf berührende Art und Weise. (Sprache: Französisch ohne Untertitel!)
Vorfilm: Rencontre en ligne, Frankreich/Burkina Faso 2005, 12’, Adama Roamba
82 Min, F/Dioula (ohne Untertitel),
Regie: Sarah Bouyain