Programm

Der koschere Film

Schrullige Protagonisten zelebrieren mit charmanter Selbstironie und Witz die Tristesse ihres Daseins und schonungslos ehrliche Alltagsanalysen werden lustvoll zu Geschichten verstrickt: Das ist jüdisches Kino in der Nische.

Dokumentarisch, als Animations- oder Spielfilm bringen vier Filme junger jüdischer Regisseure die Vielfältigkeit der jüdischen Diaspora mit einem Augenzwinkern auf die Leinwand. In Zürich versucht sich eine jüdische Filmemacherin als Heiratsvermittlerin und prüft im unkonventionellen Selbstversuch heiratswillige Kandidaten unterschiedlicher Konfession. Im Algerien der 1920er Jahre versucht die Katze des Rabbiners ein guter Jude zu werden. Im New Yorker Untergrund suchen schrille jüdische Künstler aller Couleur, expressiv und ohne Rücksicht auf Skandale, nach musikalischen Mitteln, um ihrer jüdischen Identität Ausdruck zu verleihen. Und in einer heruntergekommenen Ladenpassage in Buenos Aires verdichten sich auf liebevolle Weise mannigfaltige Alltagsgeschichten mit ihren Dramen und Freuden zu einer bunten Kulisse für die Konfrontation eines ganz durchschnittlichen jüdischen Jünglings mit der Frage nach seiner Herkunft.

Den Filmschaffenden zwischen Zürich und Buenos Aires ist es gelungen, das jüdische Leben und Sterben ästhetisch und zuweilen hautnah erlebbar für das Publikum auf die Leinwand zu bringen. Bewusst oder intuitiv getrieben, bewegen sich die vier Filme, allen stilistischen und technischen Innovationen zum Trotz, um das ewig fundamentale Thema jüdischen Films und jüdischen Denkens schlechthin: Die Suche nach der jüdischen Identität.

Programmation: Andrea Früh

So 06. Januar 2013 • 19:30 Uhr

Matchmaker

Im Selbstversuch dokumentiert die dreissigjährige jüdische Regisseurin Gabrielle Antosiewicz ihre Suche nach dem koscheren Mann. Heiratswillige Kandidaten mit unterschiedlichem religiösen Hintergrund lädt sie in ihre Zürcher Wohnung ein, mit ihr ein traditionelles Sabbat-Brot, eine Challe, zu backen. Während der Ofen läuft, erhält man Einblick in das sekuläre und orthodoxe jüdische (Liebes-)Leben in Zürich, von koscheren Datingplattformen bis zum Geheimnis unter der Frauenperücke. Und am Ende dieses unverblümten und witzigen Dokumentarfilms liegen sechs gebackene Brote auf dem Küchentisch der Regisseurin…

Schweiz 2004
70 Min, Schweizerdeutsch, digital
Regie: Gabrielle Antosiewicz
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So 13. Januar 2013 • 19:30 Uhr

Le Chat du Rabbin

Algerien, 1920. Nachdem die glutäugige Katze des Rabbi Sfar den plauderhaften Papageien des Rabbiners und seiner schönen Tochter Zlabya gefressen hat, kann sie plötzlich sprechen. Als das schlagfertige und neumalkluge Tier zudem beschliesst, ein guter Jude zu werden, hat der gutmütige Rabbi keine ruhige Minute mehr.
Joann Sfar ist es gelungen, seinen gefeierten Comic atmosphärisch dicht und mit einer vielfältigen Bildsprache auf die Leinwand zu bringen. Auch die Dialoge zwischen dem Rabbi und seiner scharfzüngigen Katze bestechen durch ihren Schalk, der die philosophischen Dispute über Sinn und Unsinn von religiösen Regeln und Praktiken zu einem Spektakel werden lassen.

Frankreich 2010
89 Min, F/d, 35mm
Regie: Joann Sfar
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So 20. Januar 2013 • 19:30 Uhr

Punk Jews

Das schrille und rasante Portrait von chassidischen Punk Rockern, jüdischen Strassenkünstlern bis zu afro-amerikanisch-jüdischen Aktivisten bietet eine 60-minütige Expedition in bisher unbekannte Sphären der Megastadt New York. „Punk Jews“ dokumentiert Protagonisten einer Bewegung im Untergrund, die ihre jüdische Identität in einer unkonventionellen Weise leben, sich nicht um Stereotypen scheren und Barrieren zwischen der jüdischen und anderen Gemeinschaften rücksichtslos niederschmettern – um jeden Preis. punkjews.com

USA 2012
60 Min, e(!) ohne Untertitel, digital
Regie: Jesse Zook Mann
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So 27. Januar 2013 • 19:30 Uhr

El Abrazo Partido

Wie viele junge Argentinier träumt Ariel davon, eines Tages nach Europa und damit zu seinen Wurzeln zu reisen, um einen guten Job zu finden. Die Kulisse seiner Träume ist „La Galeria“, eine Ladenpassage im jüdischen Viertel von Buenos Aires, die ihre besten Tage hinter sich hat. Ariel hilft seiner Mutter aus, die ein Geschäft für Damenunterwäsche betreibt. Das träge Idyll wird jedoch gestört, als sein Vater, der sich kurz nach der Geburt seines Sohnes nach Israel abgesetzt hat, plötzlich vor ihm steht und Ariel die unerwartete Antwort darauf erhält, warum sein Vater ihn im Stich gelassen hat. Daniel Burman ist es gelungen, den melancholischen Unterton der Erzählung mit schrulligen Charakteren und fabelhaften anekdotischen Geschichten zu spicken und so das internationale Publikum zu verzaubern.

Argentinien 2004
101 Min, Sp/d/f, 35mm
Regie: Daniel Burman
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