Wüstenkino
Die Wüste – archaisch, lebensfeindlich, ein Meer aus Steinen und Sand, das Leben hart und kompromisslos. Im April zeigen wir die Weite der Wüste in vielerlei Facetten. Wie etwa die sagenumwobene Stadt Timbuktu unter fundamentalistischen Einfluss. Das Leben der Sahrauis in der algerischen Wüste, deren Heimat von Marokko annektiert wurde, und sie warten noch immer auf eine Referendumsabstimmung, das ihren völkerrechtlichen Status definiert. Das Überleben in der Jordanischen Wüste, und nicht nur aus individueller Ebene des Protagonisten, sondern auch das Überleben der Kultur und Lebensart der Beduinen. Unterwegs zwischen Tunis und Timbuktu mit einem Wüstenkino.
Porträtiert wird eine Welt, in der Gedichte in den Sand geschrieben werden, damit der Wind sie verbreitet.
Programmation: Vittorio Moretta
So 05. April 2015 • 19:30 Uhr
TIMBUKTU
Die von Mythen umwobene malische Stadt Timbuktu wird von Dschihadisten übernommen, die ihre Regeln der Bevölkerung aufzwingen wollen. Die Beduinen-Familie von Kidane lebt friedlich in ihrem Zelt, bis ein Zwist mit dem Fischer Amabou alles durcheinander bringt. Abderrahmane Sisskao schafft es auf bewegende Weise, dem grassierenden Fundamentalismus auf sanfte Art ein zutiefst menschliches Filmgedicht entgegenzuhalten.
97 Min, französisch, arabisch, tamascheq / d/f, digital
Regie: Abderrahmane Sissaki
So 12. April 2015 • 19:30 Uhr
WILAYA
In Flüchtlingscamps führen die Sahrauis ein Leben ohne Perspektive, so auch die gehbehinderte Hayat, ihr Bruder Jatri und seine schwangere Frau Aichetu. Nachdem Hayats und Jatris Mutter gestorben ist, kommt ihre Schwester Fatimetu zurück. Sie lebt seit 16 Jahren in Spanien. Aus einem kurzen Besuch wird ein unerwartet langer Aufenthalt. Die junge Frau gibt ein behütetes europäisches Leben für das Zusammensein mit ihren Geschwistern auf. In grandiosen Wüstenbildern und mit bewegender Musik erinnert Pedro Pérez Rosado an ein Volk, das die Welt vergessen hat.
88 Min, saharaui, spanisch/d/f, digital
Regie: Pedro Pérez Rosado
So 19. April 2015 • 19:30 Uhr
THEEB – WOLF
Angesiedelt ist die Erzählung vom Jungen Theeb, was deutsch „Wolf“ heisst, in der Zeit des Ersten Weltkriegs. Aber für einmal blicken wir in Naji Abu Nowars Film nicht nach Europa, sondern in den Nahen Osten, wo das Osmanenreich in seiner letzten Phase steckt, und britische Soldaten sich von Beduinen durch die Wüste führen lassen. Diese wiederum sind in ihrer Existenz durch die Wüsten-Eisenbahn bedroht. In dieser aus europäischer Perspektive entlegenen Ecke wächst ein Junge auf, der aufgeweckt und neugierig seinem älteren Bruder folgt, als dieser auf eine heikle Mission geht.
100 Min, arabisch / d/f, digital
Regie: Naji Abu Nowar
So 26. April 2015 • 19:30 Uhr
SAHARA SALAAM
Wolf Gaudlitz (TAXI LISBOA) sitzt in der Sahara und fragt sich: Warum tue ich mir das an? Über zwölf Jahre lang fuhr der Filmemacher und Kulturjournalist immer wieder in das Gebiet zwischen Tunis und Timbuktu, in das Gebiet, in dem das Volk der Berber und der Tuareg zuhause sind. Eine offizielle Dreherlaubnis bekam er nie, auch keine Zulassung für das von ihm errichtete „Wüstenkino“, mit dem er die Filme zu den Leuten bringt, die kein Kino haben. Auf seinen Reisen durch die Sahara trifft er Menschen, die mit ihm ihre Weisheiten teilen und ihm von ihrem Leben berichten… Ein Wüstenpoem über eine Welt, in der man Gedichte in den Sand schreibt, damit sie der Wind verbreiten kann.
113 Min, arabisch, tamascheq / d, digital
Regie: Wolf Gaudlitz