HERKUNFT UND HEIMAT
“Wir ohne Heimat irren so verloren und sinnlos durch der Fremde Labyrinth. Die Eingebornen plaudern vor den Toren vertraut im abendlichen Sommerwind. (…) Die Eingebornen träumen vor den Toren und wissen nicht, dass wir ihr Schatten sind.”
Max Herrmann-Neisse
Das Kino Nische widmet den März den Heimatlosen. Den Menschen aus Eritrea, Syrien, Irak, Afghanistan und anderen Ländern, die in unseren Notunterkünften, in Durchgangs- und Asylzentren zwar wohnen, aber nicht zuhause sind. Wir zeigen Filme, die dem Publikum ein Gefühl für die Herkunft dieser Menschen vermitteln sollen – mal auf fröhliche, mal auf poetische und mal auf erschütternde Art und Weise. Gemeinsam mit dem Kulturzentrum Gaswerk wollen wir Begegnung schaffen, und hoffen, den Heimatlosen so das Ankommen in der – vielleicht – neuen Heimat zu erleichtern.
Programmation: Natalina Töndury
So 06. März 2016 • 19:30 Uhr
IRAK: MY SWEET PEPPER LAND
Wildwest im politischen und moralischen Niemandsland: Im Grenzgebiet des Iran, Irak und der Türkei, verbünden sich eine Lehrerin (gespielt von der blendend schönen Golshifteh Farahani) und ein Polizeikommandant gegen feindliche Schmuggler. Daraus entsteht eine aussergewöhnliche Liebesgeschichte. Der kurdische Western von Regisseur Hiner Saleem zeigt dessen Heimat auf unterhaltsame und berührende Art und Weise. Inkl. Showdown in Tarantino-Manier!
100 Min, arab/de, digital
Regie: Hiner Saleem
So 13. März 2016 • 19:30 Uhr
SYRIEN: THE SYRIAN BRIDE
Mona wohnt mit ihrer Familie auf dem von Israel besetzten Teil der Golanhöhen und heiratet auf „die andere Seite der Grenze“, nach Syrien. Als Bräutigam hat die Familie ihr einen entfernten Verwandten ausgesucht. Sobald Mona nach Syrien einreist, wird sie nie wieder israelisches Territorium betreten dürfen. Sie muss sich für immer von ihrer geliebten Familie verabschieden. Ein starker Film über physische, emotionale und geographische Grenzen und die Kraft, diese zu überschreiten.
97 Min, arab/hebr/de, 35mm
Regie: Eran Riklis
So 20. März 2016 • 19:30 Uhr
AFGHANISTAN/IRAN: DJOMEH
Djomeh, ein junger Mann aus Afghanistan, ist in den benachbarten Iran gezogen, um dort Arbeit auf einem Bauernhof zu finden. Im Dorfladen verliebt er sich in die Tochter des Ladenbesitzers. Schüchtern, wie Djomeh ist, sich der Regeln des Anstands bewusst, die hier gelten, traut er sich nicht, das Mädchen anzusprechen. Dafür deckt er sich bei ihr mit Esswaren ein, um so lange wie möglich in ihrer Gegenwart zu verweilen. In Cannes 2000 wurde Hassan Yektapanahs Erstling mit der Camera d’Or ausgezeichnet.
94 Min, Farsi/de/fr, 35mm
Regie: Hassan Yektapanah
So 27. März 2016 • 19:30 Uhr
ERITREA: SOUND OF TORTURE
Hunderttausende eritreische Staatsangehörige verlassen ihre Heimat aufgrund von systematischen staatlichen Repressionen der 1993 etablierten Militärdiktatur. Werden sie nicht an der Grenze entdeckt und erschossen, riskieren sie, auf der Flucht verschleppt und gefoltert zu werden. Als Meron Estefanos in Schweden vom Schicksal ihrer Landsleute im Sinai erfährt, macht die mutige Aktivistin den Menschenhandel publik. „Sound of Torture“ wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
60 Min, Heb/Tigr/en (keine deutschen Untertitel), digital
Regie: Keren Shayo