Programm

Autorin

«Ich will etwas Grossartiges machen, etwas Heldenhaftes und Wundervolles, das nach meinem Tod unvergessen bleibt. Ich weiss noch nicht, was, aber ich halte die Augen offen und habe vor, euch alle eines Tages in Staunen zu versetzen. Ich glaube, ich werde Bücher schreiben und reich und berühmt werden.»
Jo March, Hauptfigur in «Little Women»

«Mit meiner verbrannten Hand schreibe ich von der Natur des Feuers.»
Ingeborg Bachmann, Autorin «Malina»

In diesem Monat stellen wir Filme vor, die Inspirationen, Arbeitsweisen, Kämpfe und die Siege von Schriftstellerinnen visualisieren. Dabei tauchen wir ein in ihre Gedankenwelt und entdecken dadurch Janet Frame, Ingeborg Bachmann oder Louisa May Alcott neu. Ihre Geschichten leben über ihren Tod hinaus weiter, auf dem Papier und in wunderbaren filmischen Interpretationen.

Programmation: Michael Simpson (SwissMeDeadly.com)

(Bitte die Covid-19 Hinweise fürs Kino Nische beachten.)

So 06. März 2022 • 19:30 Uhr

An Angel at My Table

Die neuseeländische Schriftstellerin Janet Frame ist acht Jahre lang Insassin einer psychiatrischen Klinik. Sie entgeht einer Lobotomie nur, weil sie für einen Literaturpreis nominiert wird. Die fesselnde Autobiografie ist ein frühes Meisterwerk der Oscar-Gewinnerin Jane Campion («The Power of the Dog»).

Wie Frames Autobiografie ist auch der Film in drei Abschnitte unterteilt. Als Kind wächst Frame in einer armen schottisch-neuseeländischen Familie in Dunedin auf; als Jugendliche wird sie in die psychiatrische Anstalt eingewiesen; und als Erwachsene widmet sie sich wieder vollends dem Schreiben.

Der Film erhielt bei den Filmfestspielen von Venedig 1990 unter anderem den Spezialpreis der Jury, unter Protest, weil er nicht mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Jane Campion sagte: «Ich habe eine Reaktion auf den Film erhalten, wie es sie vorher und nachher noch nie gegeben hat.»

NZ 1990
158 Min, ov/df, 35mm
Regie: Jane Campion
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So 13. März 2022 • 19:30 Uhr

Swimming Pool

Die Krimiautorin Sarah Morton gönnt sich eine Auszeit in einem abgelegenen französischen Landhaus. Bis die Ankunft der jugendlichen Femme fatale Julie die Idylle entschieden stört. Ein erotischer Thriller à la Hitchcock, der die Grenzen des künstlerischen Schaffens hinterfragt.

Der Film war für François Ozon «fast ein Autoporträt, weil es darum geht, wie und wo man Inspiration findet» (FAZ, 2003). Die Mitarbeit seiner Muse Charlotte Rampling in der Hauptrolle war aber ein entscheidender Teil des Drehbuchprozesses: «Rampling musste erst zusagen, ehe ich mich in das Abenteuer stürzen konnte. Das ist eine Rolle, für die ich keine andere Besetzung gewusst und gewollt hätte.»

FR 2003
103 Min, ov/de, digital
Regie: François Ozon
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So 20. März 2022 • 19:30 Uhr

Malina

Eine namenlose Autorin gerät in einen Strudel aus gebrochener Sprache und vereiteltem Begehren. Die experimentelle Autobiografie von Ingeborg Bachmann beruht auf einem Drehbuch von Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Radikales Kino.

«Ich habe in Ivan gelebt und sterbe in Malina», stellt unsere Autorin fest, während sie versucht, die Aspekte des Begehrens für die beiden ihr am nächsten stehenden Männer zu erfassen: Liebe und Lust für den jungen Ungarn Ivan und intellektuelle Verbundenheit mit ihrem Mitbewohner Malina, der vielleicht nur eine Projektion ist. Brutale, verwirrende Schnitte, stark stilisierte Kinematographie und purer Surrealismus umrahmen die Sinnsuche der ängstlichen Anti-Heldin. Der New Yorker lobte Malina als «einen der wenigen wirklich visuellen Filme über Schriftstellerinnen und Schriftsteller».

Unsere Vorführung bleibt der Originalfassung treu und zieht die deutsche Synchronisation vor, die die Texte von Bachmann und Jelinek in den Vordergrund stellt. Die Stimme von Isabelle Huppert wurde von der ehemaligen Wim Wenders-Muse Lisa Kreuzer gesprochen.

DE/AT 1991
125 Min, ov, digital
Regie: Werner Schroeter
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So 27. März 2022 • 19:30 Uhr

Little Women

Gerwig stellt eine liberal-feministische Haltung über die literarischen Ambitionen der Heldin Jo March (Saoirse Ronan) hinaus in den Vordergrund. Die Stimmen der Frauen und das starke Band der Schwesternschaft erfüllen das Kino. Ein herzerwärmendes Drama mit einem hochkarätigen Ensemble: Emma Watson, Meryl Streep, Timothée Chalamet, Laura Dern…

Die jungen March-Schwestern Jo, Meg, Amy und Beth wachsen in einer bescheidenen, liebevollen Familie an der amerikanischen Ostküste des 19. Jahrhunderts auf. Der Film wechselt zwischen den Dramen und Abenteuern ihres Lebens als Kinder und als junge Erwachsene und zeigt ihre Kämpfe um Arbeit, Liebe und Gesundheit. Vor allem folgen wir Jo March – «nicht nur eine verliebte, spritzige junge Frau einer klassischen romantischen Komödie, sondern auch eine furchtlose Autorin mit tintenverschmierten Händen» (RogerEbert.com).

Ein echter Hollywood-Kassenschlager, der es verdient, ein zweites Mal gesehen zu werden – in intimerer Atmosphäre, auf dem Sofa unseres kleinen Kinos, am besten mit Freunden.

USA 2019
135 Min, ov/de, digital
Regie: Greta Gerwig
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