Der Stand der Bauern (und ihrer Frauen) (Teil 1)

DER BAUERN (und ihrer Frauen) Die rasende Liberalisierung und Globalisierung der Märkte zwingt uns allen, ob wir es wollen oder nicht, ein unerbittliches Leistungsdiktat auf. Die in der Landwirtschaft tätigen Menschen bekommen diesen Druck wohl am direktesten und stärksten zu spüren. Vor 150 Jahren waren in der Schweiz noch zwei Drittel aller Beschäftigten Bäuerinnen und Bauern, heute sind es noch knapp vier Prozent. Trotzdem ist die Landwirtschaft in diesem Land gesellschaftspolitisch enorm bedeutsam und Auseinandersetzungen um Produktionsweisen, um Preise und Verdienste bleiben stets aktuell. Die Diskrepanz zwischen heutiger agrarischer Produktion und dem Bild einer bäuerlichen Welt, das noch in unseren Köpfen steckt, die sprichwörtlich dicken Schädel der BäuerInnen, ihr Widerstand gegen die Konsumgesellschaft und ihr sporadisches Aufbegehren, dies sind Themen, die auch im Schweizer Film gerne behandelt werden. Für zwei Monate sind sie auch Thema im Kino Nische. Wir zeigen Knechte und Mägde die Höfe erben, “Stieregrinde” die sich gegen Kartoffeln und Staatsbeamte wehren, solche die finden es müsse alles anders werden und solche die alles anders machen. Wir sehen und hören StädterInnen, die übers Land nachdenken, sehen Bauern mit dem Berg kämpfen und Bäuerinnen mit dem Brotteig, Westschweizer am Käsekessi und Ostschweizer am Kadaverwolf, und wir hören zwei Monate lang ? im Kino eher eine Seltenheit ? die Menschen in urchigen Dialekten sprechen. Der österreichische Film “Die Siebtelbauern” mag zwischen all den Schweizer Produktionen etwas fehl am Platz erscheinen. Da es sich aber um einen der letztjährigen Lieblingsfilme des Programmierers handelt, und er so schön zum Thema passt, wird auch er gezeigt.